Kriminalität: Schüler mobben heute im Internet

Kriminalität: Schüler mobben heute im Internet

Gespottet und geschmäht wird verstärkt online. Die Erwachsenen hätten kaum mehr eine Chance einzugreifen, warnen Experten.

Düsseldorf. Die 14-Jährige sah einfach so anders aus. Sie schminkte sich nicht hübsch wie die anderen in der Klasse, trug schwarze Klamotten, hörte düstere Musik. „Es begann mit Sticheleien“, berichtet Schulpsychologe Stefan Drewes von dem Mobbing-Fall. Auch über das Handy verspotteten Mitschülerinnen das Mädchen.

Schließlich streuten sie im Internet, die Außenseiterin habe einen Amoklauf angekündigt. Höchste Zeit für die Verantwortlichen, einzuschreiten: Zusammen mit Drewes und der Schulleitung wurden Gespräche in der Klasse geführt. Nicht zuletzt die Jungen machten den Täterinnen klar: So ein „Zickenkrieg“ ist nicht in Ordnung.

Anlässlich des bundesweiten Tages des Kriminalitätsopfers hat sich die Fachgruppe Opferschutz des Kriminalpräventiven Rates am Dienstag intensiv mit dem Thema Mobbing beschäftigt. Denn obwohl das neudeutsche Wort ein uraltes Phänomen beschreibt, so gibt es doch neue Auswüchse, die Experten Sorge bereiten: „Wir haben Mobbingfälle, die sich heute komplett im Internet abspielen“, sagt Stefan Drewes. „Eine Kontrollmöglichkeit für Erwachsene gibt es kaum noch.“

Schon Zehnjährige nutzen laut Drewes Online-Netzwerke wie „SchülerVZ“. Der durchschnittliche 15-Jährige verbringe unter der Woche täglich 90 Minuten im Netz. „Aber mit ihren Daten gehen die Jugendlichen dort sehr sorglos um“, sagt Karin Kienast, Opferschutzbeauftragte der Polizei. Und mit den Daten anderer: Vielen sei gar nicht bewusst, dass sie peinliche Fotos einer ungeliebten Mitschülerin nicht einfach ins Internet stellen dürfen.

Schwierig ist auch, dass Mobbing selbst kein Straftatbestand ist — sondern nur ein Sammelbegriff für über Monate anhaltende Schmähungen. „Es ist ein schleichender Prozess“, sagt Notfallseelsorger Olaf Schaper. „Und er wird von den Betroffenen selbst oft nicht gleich bemerkt.“ Stefan Drewes wird „nur“ rund 30 Mal im Jahr zu Fällen in Düsseldorfer Schulen gerufen — dabei geben in Befragungen 15 Prozent der deutschen Jugendlichen an, schon gemobbt worden zu sein.

Ein positives Beispiel berichtet Olaf Schaper aus einer Firma: Ein Mobbingopfer ließ sich rasch krankschreiben, als es drohte, durch die gestreuten Gerüchte depressiv zu werden. Parallel suchte es Kontakt zum Chef. Bei einer offenen Aussprache wurde der „Mobber“ bloßgestellt. Sein Intrigen-Gespinst war zerstört.

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