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Krankenhaus-Mitarbeiterin in Düsseldorf beklagt Knöllchen-Flut

Verkehr in Düsseldorf : Und (fast) jeden Tag gibt es das nächste Knöllchen

Eine Mitarbeiterin des Marienhospitals beklagt, dass am Krankenhaus noch mehr OSD-Kräfte im Einsatz seien als vor dem Lockdown. Weil viele im Homeoffice sind, sei der Parkdruck hoch, die Stadt nutze das aus. Die weist das zurück.

Mitarbeiter in Krankenhäusern stehen in diesen Tagen ja ziemlich hoch im Kurs, sogar geklatscht wird öffentlich für sie. Katrin Krause (Name geändert) arbeitet im Marienhospital, und ihr würde es schon vollkommen ausreichen, wenn sie nicht fast jeden Tag ein ­Knöllchen hinter der Windschutzscheibe ihres Autos vorfinden würde. Die Bußgelder schwanken dabei zwischen fünf und 25 Euro. Ihr Eindruck: „Seit Beginn des zweiten Lockdowns ist deutlich mehr Personal auf den Straßen unterwegs, um Falschparker aufzuschreiben, manchmal sogar zweimal am Tag.“ Ihren richtigen Namen will sie lieber nicht nennen, obwohl die Mitarbeiterin des Medizinisch-Technischen Dienstes weiß, dass es vielen Kollegen nicht anders als ihr ergeht. Im Sommer fährt sie gerne mit dem Rad zur Arbeit; jetzt würde sie auch auf Bus und Bahn umsteigen. Aber Katrin Krause ist gesundheitlich nicht auf der Höhe, hat ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Daher, und auch weil sie eben mit nicht minder gefährdeten Patienten in täglichem Kontakt steht, weicht sie auf das Auto aus. „Wenn alle mit dem Bus fahren würden, wäre das ja auch kontraproduktiv.“ Viele Kollegen seien zudem wegen der Kinderversorgung auf das Auto angewiesen.

Im ersten Lockdown wurden
die Kontrollen ausgesetzt

Die Straßen rund um das Marienhospital zählen aber zu einem Anwohnerparkgebiet, und seitdem viele im Homeoffice sind, ist der Parkdruck noch höher geworden. Der Krankenhaus-Parkplatz bietet jedenfalls nicht ausreichend Stellplätze. Im ersten Lockdown wurden die Kontrollen durch das Ordnungsamt kurzzeitig ausgesetzt, „aber Herr Keller hat ja angekündigt, gerade beim OSD scharf durchzugreifen“, so Krause. Ihr Arbeitgeber bietet zwar günstige Stellplätze in einem nahe gelegenen Parkhaus an, „aber das ist eher für die, die ganz weit weg wohnen, und die Warteliste ist ohnehin lang.“

Katrin Krause hat bei der Stadt nachgefragt, ob es nicht möglich wäre, einen Anwohnerparkausweis zu bekommen, „nur temporär, für die Zeit des Lockdowns. Aber das hat das Amt rigoros abgeblockt. Dabei stehen hier viele Autos mit Nummernschildern aus Viersen, Mettmann oder Krefeld.“ Krause kann das Vorgehen der Stadt jedenfalls nicht nachvollziehen: „Wir alle setzen hier jeden Tag ja auch unsere Gesundheit aufs Spiel, obwohl die meisten bekanntermaßen nicht so viel verdienen. Und die Stadt nutzt diese Situation gnadenlos aus.“ Dass aktuell mehr OSD-Personal für die Parkraumüberwachung eingesetzt werde, weist die Stadt zurück. „Generell werden die Einsatzschwerpunkte regelmäßig an veränderte Lagebilder angepasst – im Bedarfsfall auch täglich. Der Bereich am Marienhospital ist hinsichtlich des hohen Parkdrucks bekannt und wird daher kontinuierlich überwacht“, so ein Sprecher. Generell sei mit Blick auf das Marienhospital zu berücksichtigen, dass es dort eine sehr gute ÖPNV-Anbindung gibt. Für viele Menschen könne die Nutzung von Bus und Bahn daher eine mögliche Alternative sein, sagt der Stadtsprecher, der jedoch ausdrücklich einschränkt, dass dies sicher nicht für das Krankenhauspersonal im Schichtdienst gelte.

Bezüglich eines Anwohnerparkausweises heißt es: Die erfolgreiche Antragstellung setze voraus, dass der Antragsteller auch in dem Bewohnerparkgebiet behördlich gemeldet ist. Und: Da die Fahrzeuge nach einem Umzug nicht mehr umgemeldet werden müssten, steige der Anteil der Bürger mit auswärtigen Kennzeichen zunehmend – auch durch den wachsenden Anteil von Firmenfahrzeugen oder durch Mietwagen. Generell sei zu dem angesprochenen Fall zu sagen, „dass der Arbeitgeber für die Mitarbeiterin der erste Ansprechpartner bleibt.“ Was er ungeachtet dessen einräumt: „Allgemein ist der Parkdruck durch das Homeoffice weiter angestiegen – was auch die Bewohner mit eigenem Auto vor wachsende Herausforderungen stellt.“