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Krahestraße: Alle hoffen auf ein Ende mit Gerechtigkeit

Krahestraße: Alle hoffen auf ein Ende mit Gerechtigkeit

Es kommt zum dritten Prozess. Heinz Nieder muss sich erneut wegen Mordes vor Gericht verantworten.

Düsseldorf. Seinen 48. Geburtstag am Donnerstag hatte sich Heinz Nieder sicherlich anders vorgestellt. Denn der ehemalige Hausbesitzer von der Krahestraße Nummer acht muss erneut vor Gericht - wieder wegen Mordes.

Bei der dritten Auflage des Prozesses wird auch Teresa Rucinska dabei sein, die bei der Katastrophe am 24. Juli 1997 ihre Tochter Mariola (33) verloren hatte. Fast alle, der insgesamt mehr als 200 Prozesstage hat die 66-Jährige verfolgt. "Sie wird auch beim dritten Prozess bis zum bitteren Ende dabei sein", sagte ihr Rechtsanwalt Johannes Pausch. "Das war eine sehr gute Entscheidung."

Iris Labinsky, Rechtsanwältin des zu lebenslanger Haft verurteilten Dachdeckers Udo Schmitz, reagierte verhalten: "Mein Mandant hat die Hoffnung, dass nun endlich Gerechtigkeit geschaffen wird. Bei aller Tragik wird dieses Verfahren nunmehr als absurdes Theater in die deutsche Justizgeschichte eingehen."

Weniger begeistert zeigte sich sich Gaby Münchhalffen, Rechtsanwältin von Heinz Nieder. "Mein Mandant wird sich den Tatsachen stellen. Doch wie lang der neue Prozess in Duisburg dann tatsächlich dauern wird, das muss sich erst noch zeigen. Die subjektive Tatseite wird Dreh- und Angelpunkt des Verfahrens werden."

Landgerichts-Sprecher Ulrich Thole sieht die BGH-Entscheidung nicht als Ohrfeige für die Düsseldorfer Justiz: "Bei Zivilprozessen zum Beispiel kommt es täglich vor, dass Urteile aufgehoben werden. Der Senat hatte nun mal eine andere Rechtsauffassung als unsere Schwurgerichtskammer."

Auf der Krahestraße selbst sorgt die Entscheidung des Bundesgerichtshofs für wenig Aufregung. Von den Bewohnern, die das Grauen 1997 hautnah mitbekamen, wohnt fast niemand mehr auf der Straße. Im neugebauten Haus Nr. 8 gibt es noch ein Ehepaar, das die Explosion miterlebt hat. "Wir haben aber damals in der Nummer 43 gewohnt. Wir standen bei dem Knall kerzengrade im Bett", berichtet der Mann.

Die Katastrophe: Am 24. Juli 1997 explodiert um 3.04 Uhr das Haus Krahestraße Nummer 8. Traurige Bilanz: sechs Tote, zwei Schwerverletzte.

Das Unfassbare: Am 26. Juli 1997 steht fest, dass die Katastrophe kein Unfall war, sondern ein Verbrechen. Der Stopfen an der Gasleitung im Keller ist gelöst worden. Die 25-köpfige Polizeikommission "Explosion" begibt sich auf Tätersuche.

Die Verdächtigen: Schnell geraten Hausbesitzer Heinz Nieder und Dachdecker Udo Schmitz in Tatverdacht. Sie sollen bereits 1996 eine Brandstiftung in Auftrag gegeben haben.

Das Motiv: Das Haus habe nicht mehr genügend Gewinn abgeworfen. Die Bewohner sollen einer Sanierung im Weg gestanden haben.

Prozess I: Am 26. Juli 1999 beginnt der Prozess. Da sitzen beide bereits zwei Jahre in Untersuchungshaft. Die Lebensgefährtin von Schmitz ist der Beihilfe angeklagt. Sie belastet beide Männer schwer und wird freigesprochen. An 119 Prozesstagen werden mehr als 100 Zeugen gehört. Am 16. August 2001 werden beide Aangeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt. Die besondere Schwere der Schuld wird bejaht.

Die Revision: Während die Strafe gegen Schmitz rechtskräftig bleibt, hat die Revision von Nieder vor dem Bundesgerichtshof Erfolg. Wegen eines Formfehlers muss das Verfahren gegen ihn neu aufgerollt werden.