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Düsseldorf: Kostenlos verteilt: Ärger um EM-Panini-Sammelalben an Schulen

Düsseldorf : Kostenlos verteilt: Ärger um EM-Panini-Sammelalben an Schulen

Schulen haben die Fußball-Sammelhefte gratis erhalten. Die Bezirksregierung rügt die Aktion als unerlaubte Werbung.

Düsseldorf. Zur Einstimmung auf die Europameisterschaft hat der Panini-Verlag Ende März das neue Sammelalbum auf den Markt gebracht, für das Fußballfans 680 Bilder sammeln müssen, um es zu komplettieren. Besonders Kinder sind empfänglich für die bunten Alben sowie die dazugehörenden Abziehbildchen ihrer Fußballstars — und genau darauf zielt Panini mit seiner neuen Aktion ab. 2500 Gratis-Alben (Wert pro Heft: zwei Euro) hat der Verlag bundesweit an Grundschulen geschickt, darunter auch mehrere in Düsseldorf und Neuss. Der Bezirksregierung ist das ein Dorn im Auge. Denn: „Die Panini-Alben und Bilder sind Werbung, die nicht schulischen Zwecken dient. Diese ist laut Schulgesetz grundsätzlich unzulässig“, so ein Sprecher.

Auch die Schulleitungen der betroffenen Schulen ärgern sich darüber, dass Panini die Sammelhefte unaufgefordert verschickt hat. „Den Eltern soll das Geld aus der Tasche gezogen werden, das ist ja wohl klar“, sagt Sandra Marott von der Dreikönigenschule in Neuss. Schließlich bleibe es nicht bei einem leeren Heft, die Kinder würden „angefixt“, die teuren Aufkleber zu kaufen. Dennoch habe sie die Hefte nicht einfach komplett an den Absender zurückgeschickt. „Wir haben das im Kollegium besprochen und entschieden, die Alben an diejenigen Kinder weiterzugeben, die eine Einverständniserklärung der Eltern mitbringen“, sagt sie.

Heike Uhrs Sohn Ferdinand (8) ist ein begeisterter Fußballbildchen-Sammler: „Insofern bin ich nicht generell gegen Panini. Dass die aber das an sich ja wertlose Album verschenken, ist natürlich ein reiner Verkaufstrick für die Bilder“, sagt sie. Auch dass die von Turnier zu Turnier teurer werden, stört sie.

In der Tat: 70 Cent kostet inzwischen eine Tüte. Marion Knoop, Mutter des fußballbegeisterten Henri (6), sieht es noch schärfer: „Die Kinder tauschen die Karten nicht nur, es wird auch geklaut und abgezockt. Das finde ich schrecklich.“

Manuela Haverkamp, Schulleiterin der Grundschule Max-Halbe-Straße, verfährt rigoros: „Das ist Werbung und so etwas machen wir nicht mit“, sagt sie.

Die Bezirksregierung hat im Zusammenhang mit der Panini-Aktion stichprobenartig 20 Schulen kontaktiert. Davon haben sieben Schulen Pakete der Sammelalben erhalten, sie aber nicht an die Schüler weitergegeben. In einem Fall haben die Pakete jedoch im Flur gestanden, so dass Kinder sich bedienen konnten. Im Schulamtsbezirk des Rheinkreises Neuss hat neben der Dreikönigenschule eine weitere Grundschule die Alben an die Schüler verteilt, jedoch ohne Einverständniserklärung der Eltern. „Die Schulämter haben die beiden Schulleitungen auf die Regelungen laut Schulgesetz hingewiesen“, so Martin Verrieth von der Bezirksregierung.

Ulf Lucas ist Geschäftsführer der Agentur Blattwerk Media und hat im Auftrag von Panini die Alben an die Schulen verschickt. „Nur die Schulen, die generelles Interesse am Sponsoring bekundet haben und bei uns im Verteiler stehen, haben die Alben erhalten“, sagt er.

Regelmäßig erhalten die Schulen laut Lucas Sponsoring-Produkte wie Malhefte, Taschentücher, Frühstückspakete oder Getränke. Er versteht auch die Panini-Aktion als Sponsoring, nicht als Werbung. „Die Alben bieten auch ohne Aufkleber einen Mehrwert. Dieser lässt sich durch das Sammeln nur weiter steigern“, sagt er. Schließlich fänden die Kindern in den Alben auch ohne Aufkleber viele Infos über die Teams und Spiele. Laut Lucas ist die Rückmeldung auf die Panini-Aktion größtenteils positiv.