Koscher kochen für eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt

Koscher kochen für eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt

In einem Pilotprojekt werden Kochlehrlinge und Ausbilder im koscheren Kochen geschult. Dazu reiste eigens ein jüdischer Chef aus Israel an.

Düsseldorf. "Das schmeckt schon anders als das, was wir so gewöhnt sind", sagt Karlo Rosenstein, Koch im Ausbildungsrestaurant der Jugendberufshilfe in der Eulerstraße. Der 47-Jährige ist an diesem Tag wieder Lehrling. In seiner Küche hat Avi Steinmetz das Kommando übernommen. Der israelische Koch ist in seiner so bekannt wie Johann Lafer in Deutschland.

Mit wenigen Brocken Deutsch und etwas Englisch weist er Rosenstein und seinen Kollegen André Krall an, schickt sie zwischen Kochtheke und Kühlschrank hin und her. Dazwischen stehen die Lehrlinge Thomas Peseke (19), René Reuter (18) und Kevin Asche (19). Sie haben ihre Ausbildung erst im September begonnen und sind bundesweit die ersten, für die koscheres Kochen ein Bestandteil der Lehre ist.

"Düsseldorf ist die drittgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland und in den Hotels werden häufig jüdische Gäste empfangen, aber für deren Verkostung muss ein Lieferservice aus Antwerpen bestellt werden", sagt Wilfried Johnen, Vorsitzender des jüdischen Landesverbandes NRW. "Da liegt es nahe, eigene Lehrlinge im koscheren Kochen auszubilden, um ihnen eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben."

Dafür hat er zusammen mit Rabbi Julian Soussan von der jüdischen Gemeinde Düsseldorf und der Jugendberufshilfe ein Pilotprojekt entwickelt, in dem die drei Lehrlinge in vier Blöcken theoretische Kenntnisse der jüdischen Religion und Geschichte und das koschere Kochen vermittelt bekommen.

Die beiden Ausbildungsköche werden zugleich zu Multiplikatoren gemacht, die künftige Lehrlingsjahrgänge schulen könnten. Zwei Theorieblöcke sind bereits absolviert. Am 23. April besuchen die fünf Auszubildenden Avi Steinmetz für eine Woche in Tel Aviv. "Dort kochen und backen wir in einer Bäckerei, einem Restaurant und im Kongresszentrum", erzählt Lehrling Thomas Peseke. "Ich freue mich auf das Land und will auch was von der Kultur mitnehmen."

Wird das noch bis Mai laufende Projekt ein Erfolg, will die Industrie- und Handelskammer (IHK) ein Zertifikat dafür einführen. "Wir wollen diesen Ausbildungszusatz für Köche und Restaurantfachkräfte anbieten", sagt Mechthild Teupen, Geschäftsführerin der IHK Düsseldorf. "Dafür muss er aber den Regeln der Zertifizierung angepasst werden. Darum ist eventuell noch ein zweiter Probedurchgang notwendig." Die Kosten von rund 18.000 Euro trägt zum Großteil der jüdische Landesverband. Den Rest zahlt die Jugendberufshilfe.

Zumindest kulinarisch konnten Steinmetz und sein Lehrlingsteam die IHK-Chefin und andere Gäste im Ausbildungsrestaurant überzeugen. Mehrfach gingen Nachbestellungen in der Küche ein. Sie servierten "Marokkanische Zigarren" als Vorspeise. Das ist gewürztes Rinderhack im Teigmantel. Danach folgte Rotbarsch in Tomatensoße und Schinkenröllchen, gefüllt mit Hühnchen und Gemüse.

"Wir verwenden ganz andere Gewürze und Zutaten wie Kichererbsenpüree und Dattelsirup, die Avi Steinmetz mitgebracht hat", sagt Rosenstein, der selbst einen jüdischen Großvater hatte. "So lerne ich mal die Geschichte meiner Vorfahren kennen."

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