Konjunkturpaket: Studenten müssen Wohnheim räumen

Konjunkturpaket: Studenten müssen Wohnheim räumen

Das Studentenwerk kündigt kurzfristig Mietverträge, weil es die Wohnheime auf dem Campus renoviert.

Düsseldorf. Als Medizinstudentin Wiebke Stenzel die Zusage für einen Platz in einem Wohnheim auf dem Campus der Heine-Uni bekommt, ist sie erleichtert. Am 12. Februar zieht sie in Haus 17. Doch die Freude über die kleine Wohnung währt nicht lange. Mitte des Monats, die Semesterferien haben gerade begonnen, bekommt Stenzel Post vom Studentenwerk. Das Studentenwerk will das Wohnheim renovieren lassen und kündigt deshalb den Mietvertrag. Innerhalb von sechs Wochen soll Stenzel ausziehen.

Zwar hat das Studentenwerk die Frist nun bis Anfang Mai verlängert, trotzdem ist die Studentin sauer: "Bald geht die Uni wieder los und ich muss mich schon wieder um einen Umzug kümmern", sagt sie.

425 Studenten leben in den Wohnheimen auf dem Campus, in nächster Nähe zur Mensa. Alle müssen in den nächsten Monaten ausziehen, doch die 153 Bewohner von Haus17 erwischt es besonders hart. Ihr Haus wird als erstes saniert.

Zwar hält das Studentenwerk Ersatzwohnraum in anderen Unterkünften bereit, aber: "Es ist nicht gewährleistet, dass man auch wieder ein Einzelzimmer bekommt", klagt Stenzel. Unschön: Die Aufforderung zum Auszug erreichte die Studenten in der ersten Woche der vorlesungsfreien Zeit, wenn viele bereits verreist sind. Sicher ist also nicht, ob alle Studenten überhaupt informiert sind.

Da muss auch Heinz-Walter Pfeiffer passen. Er ist beim Studentenwerk zuständig für die Wohnheime. "Uns war klar, dass die Studenten sich nicht vor Freude auf die Schenkel schlagen, aber wir hatten keine Wahl." Erst kurzfristig habe man erfahren, dass das Land die Gelder für die Modernisierung bewillige. Und nun müsse die Summe von 15,7 Millionen bis Ende 2011 verbaut werden. "Ich habe nur wenig Zeit, um alles zu koordinieren", sagt Pfeiffer - die Kehrseite des Konjunkturpakets.

Die Studenten tröstet das nicht. Auch Yesmin Kibir muss umziehen. "Mir wurde eine Ersatzwohnung zugesichert, doch jetzt ist das Apartment schon vergeben. Das Problem: "Ich suche eine möblierte Wohnung, die kann mir aber das Studentenwerk nicht anbieten."

Besonders hart trifft der Zwangsumzug alle, die ihren Abschluss machen. Ein Student, der erst vor sechs Monaten in Haus17 eingezogen ist, steckt mitten im Examen. Seinen Namen möchte er nicht nennen - aus Angst, bei der Wohnungsvermittlung benachteiligt zu werden. "Unmöglich", findet er das Vorgehen des Studentenwerks. "Ich muss lernen und habe keine Zeit umzuziehen."

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