Komödianten aus altem Schrot und Korn

Komödianten aus altem Schrot und Korn

Heidi Mahler ud Peter Millowitsch brillieren im Klassiker „Tratsch im Treppenhau“.

Düsseldorf. Man fühlt sich weit ins 20. Jahrhundert zurück katapultiert in der Komödie an der Steinstraße. Dort läuft das 60er-Jahre-Lustspiel „Tratsch im Treppenhaus“. Besetzt ist die Produktion mit Sprösslingen der alten Recken volkstümlicher Unterhaltung: mit Heidi Mahler vom Hamburger Ohnsorg-Theater und Peter Millowitsch vom gleichnamigen Kölner Familien-Unterhaltungsbetrieb. Beide haben auch ihre Mundarten mitgebracht, so dass der Eindruck einer rheinisch-norddeutschen Allianz entsteht.

Heidi Mahler, Tochter von Heidi Kabel, spricht das „st“ konsequent hanseatisch, während Peter Millowitsch, Sohn der Boulevard-Ikone Willy Millowitsch, mit unverkennbarem Kölsch aufwartet. „Nä, is dat en lecker Mädschen“, schwärmt er in der Rolle des pensionierten Beamten Brummer, als er der jungen Nachbar-Untermieterin Heike Seefeld (Anna Kretschmer) hinterher schaut. Auch dem Neffen Dieter Brummer sind die Reize der jungen Dame aufgefallen. Dass das Stück in der Zeit von vor einem halben Jahrhundert angesiedelt ist, merkt der Zuschauer schon allen an formellen Anreden wie „Fräulein Heike“. Handlung und Figuren-Konstellationen sind zwar konventionell, aber nicht langweilig. Streng genommen handelt es sich hier um Erheiterung nach alten Rezepten mit viel Tür auf und Tür zu. Doch „Tratsch im Treppenhaus“ gehört zu den gelungenen Würfen des Genres, auch wenn manche Pointe recht vorhersehbar erscheint. Der Humor ist sozusagen von altem Schrot und Korn, provozierte bei der Premiere aber allerhand Lachsalven im Publikum.

Ulknudel Nummer eins ist Frau Boldt (Heidi Mahler) als neugierige Hausbewohnerin der älteren Generation. Dass sie einen Hausfrauen-Turban trägt wie Wilhelm Buschs Witwe Bolte, kann kaum ein Zufall sein. Frau Boldt tratscht leidenschaftlich gerne in Verbindung mit kleinen Intrigen, Lügen und Verleumdungen. Unerlaubte Untermieter meldet sie gleich dem Hauswirt.

Humoristisch ist ihr Brummer auf den Fersen, Steuerinspektor a. D. mit dem Ruf des Miesepeters. Er grantelt gegen zu laute Musik in der Nachbarwohnung, hämmert mit der Hand an die Eingangstür des Störenfrieds, bis sich herausstellt, dass Urheber des Musiklärms besagtes „lecker Mädschen“ ist. Plötzlich wandelt sich der Grantler zum Gentleman. Sogar zu der älteren Nachbarin, die an die junge Dame untervermietet, profitiert von dem Sinneswandel. Nur die Tratschtante, die allenthalben aus dem Parterre gekrochen kommt, um zu lauschen, versucht noch ein bisschen Unfrieden zu stiften.

Das Textbuch von Jens Exler (1914-1987) wirkt trotz seiner Jahre noch immer frisch, auch wenn das auf der Bühne gezeigte Treppenhaus den Muff der 60er Jahre ausstrahlt, was natürlich gut zum Stück passt. Und so ein Tratsch steht und fällt natürlich mit den Darstellern. Heidi Mahler und Peter Millowitsch haben sich zum Urgestein des Genres entwickelt und erweisen sich jetzt einmal mehr als Erz-Komödianten. Man kann sich in den Sessel kuscheln wie in die Wohnzimmercouch aus alten Zeiten und sich dabei köstlich amüsieren.

Auch die anderen Darsteller tragen zur Erheiterung bei: Birgit Bockmann als Hauptmieterin Frau Knoob, Fabian Goedecke als junger Dieter Brummer, Jürgen Goldkamp als Hauswirt, Schlachtermeister Tramsen. Das Ensemble harmoniert bestens, was die Aufführung hebt und die Zuschauer begeistert. Stehende Ovationen und viele Jubelrufe nach dem letzten Premieren-Vorhang.

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