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Kommentar gegen den Autowahn in Düsseldorf

Kommentar : Gegen den Auto-Wahn

Dass der OB sich um Volkes Stimme sorgt, geht in Ordnung – in der Sache aber muss die Verkehrswende kommen, meint unser Autor.

Wenn Thomas Geisel Volkes Zorn kommen sieht oder bereits zu spüren kriegt, dann kippt er auch Entscheidungen seiner Dezernenten ganz schnell. Zuletzt im Verkehrsbereich: Erst verhinderte er eine Reduzierung des Tempolimits im Rheinufertunnel; jetzt stoppt er die weitere Umwandlung von Auto- in Radparkplätze. Nun geht es für einen OB schon in Ordnung, die Sorgen und Wünsche der Bürger ernst zu nehmen – zumal er es ist, der sich ihnen bei der Wahl stellen muss. Außerdem hat Geisel oft bewiesen, dass er nun wirklich kein Populist ist, der sein Fähnchen nach dem Winde hängt. Und doch liegt Verkehrsdezernentin Zuschke in der Sache richtig. Denn es führt kein Weg daran vorbei, dem Rad-, Bus- und Bahn-Verkehr sowie den Fußgängern in Düsseldorf endlich mehr Platz zuzugestehen. Das kann nur auf Kosten der jahrzehntelang verhätschelten Autofahrer geschehen. Ja, in manchen Vierteln ist es extrem schwierig bis unmöglich, etwa am Abend noch einen Parkplatz zu finden, geschweige denn einen „legalen“ (der Autor wohnt selbst in so einem). Das heißt aber nicht, dass eine Stadt deshalb noch mehr für Autofahrer tun müsste. Nein, Autofahren ist in Düsseldorf – allem Gejammer über Staus und fehlende Parkplätze zum Trotz – immer noch viel zu angenehm. Die Zahl der zugelassenen Autos nimmt gegen jegliche Vernunft in einer Stadt mit so vielen umweltfreundlicheren Alternativen immer noch zu, und das auch noch in Gestalt aufgepumpter Spritfresser-SUVs.

Das ist ein Wahnsinn, der bekämpft statt gefördert gehört.

WZ-Redakteur Alexander Schulte
WZ-Redakteur Alexander Schulte Foto: Sergej Lepke