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Kombilohn: Das erste Jahr war gut

Kombilohn: Das erste Jahr war gut

Seit einem Jahr soll der Kombilohn Langzeitarbeitslosen helfen, neue Jobs zu finden. Die erste Bilanz fällt positiv aus.

Düsseldorf. Die Zeit ohne Arbeit war hart. Nonna Janzen ist die Erleichterung anzumerken, dass sie ein Ende hat. "Ich habe immer gearbeitet, da ist es ohne feste Stelle schon komisch.” Zwei Jahre musste sie ohne Arbeitsplatz auskommen. Seit letztem Herbst hat Nonna Janzen wieder eine Beschäftigung. Die 44-Jährige ist eine der ersten, die vom Düsseldorfer Kombilohn profitieren.

Die Arbeitsgemeinschaft aus Stadt und Bundesagentur für Arbeit (Arge) betreut das Kombilohnmodell. So sollen Langzeitarbeitslose, die als schwer vermittelbar gelten, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt untergebracht werden. Damit die Beschäftigung für die Arbeitgeber attraktiv ist, übernimmt die Arge die Hälfte der Lohnkosten. Vorausgesetzt, für den neu eingestellten Kombilöhner fällt keine reguläre Stelle weg.

Das hat für alle Seiten Vorteile, erklärt Arge-Chef Peter Lorch: "Für uns ist das nicht teurer, als wenn der Kunde das Arbeitslosengeld II beziehen würde, der Arbeitgeber bekommt Arbeit erledigt, für die es sich sonst nicht lohnen würde, jemanden einzustellen, und der Kunde gewöhnt sich wieder an die Arbeitswelt." So weit die Theorie. Die Praxis freilich sieht in diesem Fall ähnlich aus.

Genau so ist das Projekt auch angelegt. "Menschen, die länger nicht gearbeitet haben, sollen sich wieder an Arbeitstage gewöhnen, um so für richtige Arbeitgeber attraktiver zu werden", sagt Peter Lorch. Bisher ist das Kombilohnmodell auf öffentliche und wohltätige Arbeitgeber begrenzt, um Missbrauch vorzubeugen.

Düsseldorfer Modell Arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose, deren Qualifikationen veraltet sind, sollen wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Bis zu zwei Jahre lang können sie in gemeinwohlorientierten Unternehmen zusätzliche Arbeiten erledigen, also Arbeit, für die es keine Berufsbilder gibt. Ziel: Die Teilnehmer sollen wieder lernen, strukturiert zu arbeiten. Pro Kopf und Monat kostet das die Arge 760 Euro.

Düsseldorfer Bürgerarbeit Langzeitarbeitslose, bei denen die Arge überhaupt keine Hoffnung auf eine Vermittlung mehr hat, können gemeinnützige Bürgerarbeit erledigen. Darunter fallen etwa Aufgaben, die bisher von Zivildienstleistenden, deren Zahl dramatisch sinkt, erledigt wurden.

Kombilohn NRW Auch das Land hat vor wenigen Wochen ein Kombilohnmodell gestartet. Dabei können auch Stellen von Privatunternehmen gefördert werden. Weil das Modell so neu ist, gibt es in Düsseldorf kaum Erfahrungen.

Trotz Arbeitsmarktbelebung und Fachkräftemangel: Es gibt in Düsseldorf einen Sockel an seit Jahren arbeitslosen Menschen, die kaum vermittelbar sind. Selbst wenn sie eine Ausbildung absolviert haben, ist die in den meisten Fällen so veraltet, dass von Qualifikation nicht mehr die Rede sein kann. Es bedarf keiner prophetischen Gabe um vorauszusagen, dass diese Gruppe auch beim tollsten Aufschwung von allein keinen Arbeitsplatz findet. Das macht das Düsseldorfer Kombilohnmodell so wichtig. Es scheint eine der wenigen durchdachten Hartz-IV-Maßnahmen zu sein. Eine Stärke ist seine Gemeinwohlorientierung, so dass ein Verdrängen regulärer Arbeit kaum zu befürchten ist. Dieser Effekt ist die Schwäche des Landesmodells, das jetzt auch in Düsseldorf eingeführt wird und bei dem auch private Arbeitgeber gefördert werden. Das lädt zum Missbrauch geradezu ein. In diesem Fall wäre es tatsächlich einmal gut, wenn das Land von der Stadt lernen würde.