Komasaufen, Trinkspiele: Immer mehr Mädchen trinken zu viel

Komasaufen, Trinkspiele: Immer mehr Mädchen trinken zu viel

Junge Frauen wollen bei Spielen mit Alkohol mithalten — und landen öfter im Krankenhaus.

Düsseldorf. Immer mehr Mädchen und junge Frauen trinken bis zur Bewusstlosigkeit, aber auch die Jungen greifen vermehrt zur Flasche. In Düsseldorf landeten im vergangenen Jahr 139 Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus — das sind 6,1 Prozent mehr als im Jahr 2015. Darunter waren 16 Betroffene noch unter 15 Jahren. Im Allgemeinen steigt der Alkoholkonsum bei den Mädchen. Dies zeigen die Zahlen, die die Krankenkasse DAK-Gesundheit veröffentlicht hat.

„Viele Jugendliche überschätzen sich und glauben, Alkohol gehört zum Feiern und Spaß haben dazu“, sagt Christian Lipinski von der DAK-Gesundheit Düsseldorf. „Bei Trinkspielen, beim Austesten, wer mehr verträgt, sind Jungs und Mädchen mittlerweile leider gleichermaßen dabei“, ergänzt Rupert Schüler von „Crosspoint“, der Düsseldorfer Stelle für Suchtprävention, die von Caritas, Diakonie und Drogenhilfe geleitet wird.

Das zeigt sich vor allem bei den ganz jungen Mädchen, und zwar in ganz Nordrhein-Westfalen. Dies geht aus einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes stützt.

Dabei greifen die jungen Mädchen fast doppelt so häufig exzessiv zur Flasche: NRW-weit 397 im Vergleich zu 214 bei den Jungs. Dabei sank die Zahl bei den Mädchen sogar noch leicht um 1,2 Prozent. Die Komatrinker-Rate bei den Jungen bis 15 Jahre stieg hingegen um acht Prozent. Anders sieht das Verhältnis bei den älteren Teenagern aus. Bei den 15- bis 20-jährigen jungen Frauen stieg die Fallzahl dabei um fünf Prozent auf fast 2000 Personen. Bei den männlichen Komatrinkern hingegen sank die Zahl in dieser Altersgruppe um 2,9 Prozent auf 2655.

Dass immer mehr Mädchen ins Krankenhaus kommen, kann Stefan Dreising, Sprecher des Uniklinikums, nur bestätigen. „Diese Rückmeldung erhalten wir von den behandelnden Ärzten“, sagt er.

Eine Erklärung haben sie zwar nicht. Die Medizinder unterscheiden jedoch zwei Arten von Patienten: „Es gibt Jugendliche, die von besorgten Eltern gebracht werden und noch ansprechbar sind. Dies passiert immer öfter. Die zweite Gruppe sind junge Menschen, die starke Vergiftungen aufweisen, nicht mehr bei Bewusstsein sind — und oft noch Verletzungen durch Stürze erlitten haben.“

Gerade Mädchen zählen oft zur ersten Gruppe. Dass sie im Krankenhaus untersucht werden, sei in jedem Fall zu empfehlen. „Alkohol verändert das Schmerzempfinden, daher ist es gut, wenn die Ärzte noch mal gezielt nach Verletzungen beispielsweise am Kopf schauen.“

Dass so viele Jugendliche in der Klinik landen, sei bedenklich, findet Rupert. „Die jungen Menschen wollen erleben, wie es ist, die Kontrolle abzugeben“, erklärt er. Eine weitere Gefahr seien Mixgetränke. „Sie sind süß, den Alkohol schmeckt man nicht. Die Teenager können nicht einschätzen, wie viel sie eigentlich getrunken haben.“ Wenn dann der Weg ins Krankenhaus führt, greift das Programm „Hart am Limit“. Die Mitarbeiter von Crosspoint suchen das Gespräch mit den Betroffenen — und hoffen auf Einsicht.

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