Koeps Kino

<h2>Der andere LiebhaberFrancois Ozon ist mit seinen Psycho-Melodramen einer der wagemutigsten Regisseure Frankreichs. Mit dem Erotik-Thriller „Der andere Liebhaber“, frei nach einem Roman von Joyce Carol Oates, überspannt er den Bogen jedoch irgendwo zwischen „Nymphomaniac“ und „Fifty Shades of Grey“.

Weil sie unter Depressionen leidet, wendet sich Chloé an den Psychotherapeuten Paul. Doch die professionelle Distanz wird nicht gewahrt, Chloé und Paul werden ein Paar. Doch bald muss sie bei Pauls Lebenswandel einige Ungereimtheiten feststellen. Schließlich erfährt sie, dass Paul einen Zwillingsbruder hat. Sie spürt ihn auf und beginnt eine leidenschaftlich erotische Affäre mit ihm.

Foto: Jack English/Universal Pictures International/dpa

Als ihr Leben zunehmend aus den Fugen gerät, muss sie erkennen, dass die Brüder in der Dreiecksgeschichte das eigentliche und fatale Liebespaar sind... Der Film richtet den Blick auf eine Art weiblichen „Hure-Madonna-Komplex“, und das ist erst der Anfang der psychischen Verwirrungen um den anderen Liebhaber.

Bambi, tgl. 21.15 Uhr (am Di. im franz. OmU)

Inklusionsmärchen. Der Bestseller von Raquel J. Palacio zeigt uns das Thema Behinderung aus der Perspektive, wie sie sich immer photogen erzählen lässt: Das weiße Mittelschichtskind Auggie ist trotz seiner Gesichtsentstellung ein sehr liebenswertes Wesen, das ganz zufällig auch hochbegabt ist und natürlich die Herzen der Zuschauer wie happyendlich auch der Mitschüler erobern kann.

Am Schultor blickt Auggie ebenso bedrückt wie seine Mutter (Julia Roberts) sorgenvoll in die Zukunft. Zum ersten Mal geht der Junge, der trotz zig-facher Operationen ein Gesicht wie eine Spukmaske hat, auf eine normale Schule. So muss er sich den Blicken der Altersgenossen stellen und bald erfahren, wie man hinter seinem Rücken tuschelt und sich eine Blase der Isolation um ihn schließt. Doch, wie gesagt, kann sich Auggie mit Herz und Humor seinen Platz im normalen Leben erkämpfen. Arg versöhnlich geht in diesem Rührstück zu, da war der thematisch ähnlich gelagerte „Die Maske“ von Peter Bogdanovic vor über 30 Jahren schon mutiger.

Atelier, Vorpremiere am Di. um 19 Uhr

Parallelen zum Brexit wären rein zufällig. Dennoch besinnt sich das britische Kino derzeit auffällig oft auf das Jahr 1940, als es ganz allein gegen das Nazi-Imperium in Europa stand. Als England 1940 am Rande der Niederlage gegen Hitler-Deutschland stand, übernahm mit Winston Churchill ein entschlossener Hitler-Gegner das Amt des Premierministers. Er schlug alle Verhandlungsstrategien aus, zog die Truppen vom Kontinent zurück und versprach seinen Landsleuten den Sieg, allerdings nur um den Preis von „Blut, Schweiß und Tränen“. Nach einer sehr wechselvollen Karriere voller verheerender Irrtümer sollte der halsstarrige Regierungs-Chef diesmal Recht behalten.

Ähnlich wie „The King´s Speech“ (über die Durchhalte-Rede von König George VI.) verbindet „Die dunkelste Stunde“ nun kurios-private Einblicke mit einer historischen Ansprache zur unterhaltsamen Geschichtsstunde nicht nur für Brexit-Patrioten. Gary Oldman geht förmlich auf in der Rolle des launischen Snobs, gewieften Taktikers und kaltschnäuzigen Hasardeurs, der seine liebenswürdige Seite nur der diplomatisch begabten Gattin (Kristin Scott Thomas) offenbart.

Und dabei entwickelt der Film die Legende von der wahren Inspiration für seine berühmte „Wir werden uns nie ergeben“-Rede vom 14. Juni 1940.

Atelier, tgl. 14, 16.30 und 19 h (außer Di.; am So. im engl. OmU)

Liebe per Lügendetektor. Tatsächlich, der Psychologe William Marston steckte hinter der Superhelden-Figur „Wonder Woman“, und er hat den Prototypen des Lügendetektors erfunden. Belegt ist auch, dass er seine masochistischen Neigungen in einer Dreierbeziehung mit zwei Frauen auslebte. Aus diesem Grundgerüst entwickelt die Regisseurin Angela Robinson eine spekulative Biographie als Psychogramm einer Beziehungsform fernab vom Hetero-Standard.

Bambi, Mo. 19.15 Uhr (engl. OmU) in der Reihe Homochrom