Koeps Kino

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Foto: dpa-Bildfunk

Ein Flüchtling gestrandet im Niemandsland zwischen Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft. Für die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Anna Seghers verlegte Christian Petzold die Geschichte einer Flucht vor den Nazis aus dem Jahr 1940 in ein vages Flüchtlingsszenario der Gegenwart. Der junge Deutsche Georg ist aus seiner Heimat über Paris geflohen und landet in Marseille. Dort kommt er an den Koffer eines ebenfalls geflohenen Schriftstellers Weidel, mit dem er schließlich verwechselt wird und so ein Transitvisum nach Mexiko erhält. Er lernt die Frau des Schriftstellers kennen, ohne ihr zu sagen, dass Weidel bereits tot ist. Tragische Liebesgeschichte unter Heimatlosen.

Atelier, tgl. 16.45, 19 und 21.15 Uhr (So. 18/20.15 Uhr)

Auf der Flucht vor „Sissi“. Als Romy Schneider 1981 in den bretonischen Küstenort Quiberon kam, da war sie ein Wrack und versuchte, irgendwie Energie für das nächste Filmprojekt zu sammeln. Hinter ihr lag der ungeliebte Weltruhm der „Sissi“-Filme und sie hatte sich als Charakterdarstellerin im französischen Film etabliert. Doch Alkohol und Tablettensucht waren die Kehrseiten dieser Existenz und der Aufenthalt in einem Wellnesshotel sollte auch eine Art Entziehungskur sein. Paradoxerweise ließ sie sich trotz schlechter Erfahrungen mit der deutschen Presse in dieser Situation auf ein Interview mit zwei „Stern“-Journalisten ein. Die Geschichte dieses legendären Interviews der 1982 verstorbenen Diva ist der Gegenstand dieses Schwarz-Weiß-Dramas von Emily Atef mit hervorragender Besetzung. Marie Bäumer gelingt eine verblüffende Metamorphose zu Romy Schneider.

Cinema, Premiere am Mittwoch um 20 Uhr mit Marie Bäumer und Regisseurin Emily Atef

Schweden in den 1930er Jahren. Während Hitler den Antisemitismus zum Kern seiner menschenverachtenden Politik machte, herrschten auch in Skandinavien rassistische Ressentiments gegenüber den Sami, den nomadischen Ureinwohnern Lapplands. Als die Tochter eines Rentierzüchters auf ein Internat kommt, erfährt sie die ganze Verachtung durch Behörden und Mitschüler. Als sie auch noch bei einer rassenbiologischen Untersuchung „vermessen“ wird, beschließt sie, in Freiheit leben zu wollen. Dafür verleugnet sie ihre Herkunft und zieht nach Uppsala in die Stadt. Das skandinavische Initiationsdrama von Amanda Kernell erzählt in wunderschönen Bildern eine wenig bekannte, düstere Episode aus der Geschichte des heute als tolerant geschätzten Schweden.

Bambi, tgl. 19 Uhr (am Di. im schwed. OmU)

Nach dem Culture-Clash-Hit „Almanya“ haben sich die Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli für einen globalen Liebesfilm auf die Dokumentation verlegt. Vier Paare aus Indien, Japan, Deutschland und den USA erzählen vom Geheimnis ihrer jahrzehntelangen Beziehung. Da sorgt das Kennenlernen mit den ein oder anderen komischen Verrenkungen über die Hochzeitsnacht bis hin zu Krisen und deren Überwindung für Lebensweise Heiterkeit.

Metropol, tgl. 19 Uhr (viersprach. OmU)

Die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ gilt als Mecklenburgs „gefährlichste Band“. Dabei engagieren sich die Musiker um Jan „Monchi“ Gorkow gegen Nazis, Schwulenfeindlichkeit und Rassismus. Der Schauspieler Charly Hübner, der wie Gorkow aus Mecklenburg stammt, porträtiert die wuchtige Stimmungskanone in seiner lokalpatriotischen Mission gegen Rechts.

Atelier, nur Freitag, 21.15 Uhr

Das wildromantische Dasein in der schottischen Heimat hat für Rory MacNail ein jähes Ende, als er schwer erkrankt. Eine Therapie bietet sich in San Francisco an, wo zufällig sein entfremdeter Sohn lebt. Also quartiert sich der rustikale Brummbär im Luxusappartement von Ian und Emily ein. Seine hemdsärmeligen Erziehungsratschläge für den kleinen Enkel Jamie sorgen nicht immer für Begeisterung. Doch als der kauzige Schotte (natürlich mit Rock) die attraktive Museumsleiterin Claudia (Rosanna Arquette im Kostüm) kennenlernt, scheint das Schicksal gütig zu lächeln. . .

Atelier, Vorpremiere am Di. um 19 Uhr

Der britische Serienregisseur Paul McGuigan verlegt den „Boulevard der Dämmerung“ nach England, dafür kann er der Vita der alternden Hollywood-Diva Gloria Grahame im England der 70er Jahre fast so etwas wie ein Happy Ending verleihen. Basierend auf den Memoiren des englischen Schauspielers Peter Turner wird die tragische Liebesgeschichte zwischen dem Star und dem jungen Akteur erzählt. Als die beiden sich 1978 kennenlernen, liegen die besten Jahre von Gloria Grahame (gespielt von Annette Bening) schon hinter ihr. Ungefähr so lange, wie der junge Mann (Jamie Bell) auf der Welt ist. Gloria hatte im Hollywood der 40er und 50er Jahre eine veritable Karriere inklusive Oscar gemacht. Sie war mit Regiestar Nicholas Ray verheiratet und hatte eine Schwäche für jüngere Männer, weshalb sie auch eine Affäre mit Rays Sohn hatte. Die lebende Legende war für Liverpooler Verhältnisse eine Sensation, insbesondere für Turner, dessen Eltern schon immer Fans der Grahame waren. Trotz der 30 Jahre Unterschied entwickelte sich zwischen den beiden eine tiefe Liebesbeziehung, die dann von der fatalen Krebserkrankung Grahames überschattet wurde: Im Gästezimmer der elterlichen Wohnung lag ein Star im Sterben.

Bambi, tgl. 19 u. 21.15 Uhr (Mo. - Mi. um 21.15 Uhr im engl. OmU)