Kö-Hetzjagd: Zeuge unter Druck gesetzt?

Kö-Hetzjagd: Zeuge unter Druck gesetzt?

Bruder des Opfers steht wegen Bedrohung vor Gericht.

Düsseldorf. Äußerst emotional ging es während des Prozesses um die tödliche Hetzjagd auf der Königsallee zu. Nach dem Urteil musste der Gerichtssaal geräumt werden, weil es zu Tumulten kam.

Offenbar ging es auch hinter den Kulissen mit harten Bandagen zu. Seit Donnerstag muss sich Gökhan H., der Bruder des Opfers, vor dem Amtsgericht verantworten. Der 31-Jährige soll zusammen mit zwei Freunden einen Zeugen bedroht haben.

Gerüchte, dass von beiden Seiten versucht wurde, den Prozessverlauf zu beeinflussen, gab es bereits während des Verfahren. Sowohl Freunde der beiden Angeklagten Mohamed T. (24) und Ibrahim S. (22) als auch die Familie von Ömer H. (24) sollen Zeugen angesprochen und unter Druck gesetzt haben. Dabei ging es es vor allem darum, wer den Streit in der Diskothek Checker’s angezettelt hatte. Angeblich soll auch das spätere Opfer aggressiv gewesen sein.

Am 12. April soll Gökhan H. gegen 21.20 Uhr mit zwei Freunden in einer Pizzeria im Hauptbahnhof aufgetaucht sein. Dort arbeitete ein 26-Jähriger, der einem Tag später in dem Prozess aussagen sollte. Er hatte in seiner polizeilichen Vernehmung angegeben, dass Ömer H. mit dem Streit angefangen habe. Das sollte er bei seiner Aussage im Gericht offenbar korrigieren.

„Ich wollte nur, dass er die Wahrheit sagt“, erklärte Gökhan H. am Donnerstag. Das Ganze sei ein Missverständnis gewesen. „Er sollte nur in seiner Aussage bestärkt werden“, fügte sein Rechtsanwalt hinzu. Man habe zeigen wollen, dass Familie und Freunde des Opfers hinter ihm stehen. Der 26-Jährige hatte von dem Gespräch offenbar einen ganz anderen Eindruck, denn er erstattete Anzeige bei der Polizei.

Wegen Bedrohung hatte der 31-Jährige einen Strafbefehl über 1250 Euro bekommen und dagegen Einspruch eingelegt. Der 26-Jährige war am Donnerstag nicht zur Verhandlung erschienen, soll aber unbedingt gehört werden. Darum wird der Prozess am 21. Mai fortgesetzt.

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