Düsseldorf: Kneipen-Kollektiv „Butze“: Aus nach drei Jahren

Düsseldorf : Kneipen-Kollektiv „Butze“: Aus nach drei Jahren

Das Konzept ist aufgegangen — eigentlich. Doch der Gewinn fiel letztlich zu gering aus. Nach der Silvester-Party ist dann Schluss.

Düsseldorf. Während die „Butze“ an der Weißenburgstraße in Derendorf von außen aussieht wie jede andere Eckkneipe auch, zeigt sich schon beim Eintreten, dass sie ein etwas anderes Konzept fährt. Statt engen, vollgestellten Bankreihen gibt es hier viel Platz für jeden, Regale mit Brettspielen oder Büchern und ein Sofa zum Entspannen. Auch intern hat das elfköpfige Team der Butze ihre eigenen Vorstellungen vom Kneipenbetrieb: Denn statt einem Chef, der die Verantwortlung alleine trägt, gibt es hier flache Hierarchien und basisdemokratische Entscheidungen.

Obwohl es in Düsseldorf kaum einen vergleichbaren Ort gibt, muss die „Butze“ zum 31. Dezember nach rund drei Jahren schließen. Dabei stand die Kneipe nie leer, und sie machte auch keine Verluste. Regelmäßige Veranstaltungen, wie der Songslam oder Stammtische für alternative Szenen, zogen genug Menschen an, um die „Butze“ zu füllen, und viele Anwohner aus der Umgebung fanden hier ihre Stammkneipe.

Dass die Butze nun schließen muss, ist eher auf die hohen Ansprüche zurückzuführen, die das Team an sich selbst immer stellte. Deutlich wird das an der — ausschließlich veganen — Speisekarte. „Wir wollten unsere Gerichte alle ohne Fertigprodukte kochen“, erzählt Sabine Reimann, die seit der Eröffnung vor drei Jahren Teil der „Butze“ ist.

Bei gleichzeitig kneipenüblichen Preisen waren damit aber nur minimale Umsätze zu machen: „Wir haben die Auswahl zwischenzeitlich zwar schon halbiert, um Kosten zu senken, aber bei der Qualität wollten wir nicht sparen.“

Auch Ideen wie die selbst gebrauten Biobiere wurden eher aus kreativen und nicht aus betriebswirtschaftlichen Gründen verwirklicht. „Es lief zwar immer gut, aber nie gut genug“, war der Grundtenor zur Schließung, am Ende war der Gewinn nicht ganz ausreichend.

Zurückbekommen hat das „Butze“—Team dafür eine treue, wenn auch zu kleine Stammkundenschaft, deren Treue sich für Reimann an Kleinigkeiten auszeichnet: „Viele kamen noch Tage später zurück, weil sie unbedingt noch ihren Deckel abbezahlen wollten.“ Für diese Stammkunden geht mit der Butze ein kaum zu ersetzender Ort verloren.

Lisa Lanzillotta und Lisa Romeyk (beide 32) waren fast jede Woche in der „Butze“. Für sie waren vor allem das gute Essen und die gemütliche Atmosphäre einzigartig. Da die beiden sonst nicht viel mit Kneipen anfangen konnten, haben sie auch noch keinen Ersatz für die „Butze“ gefunden, wie Lisa Romeyk bedauert: „Wir müssen uns jetzt wohl zu Hause treffen und selber kochen.“

Hohe Abwicklungskosten hat das Team der „Butze“ nicht mehr, über ein paar Spenden würden es sich bis zur großen Abschieds-Silvesterparty trotzdem freuen. Danach wollen sie zumindest mit vereinzelten Veranstaltungen an verschiedenen Orten einen Teil der „Butze“ retten. Auch das Bier soll weiter produziert werden.