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Düsseldorf: Klein-Marokko: Ein Viertel im Umbruch

Düsseldorf : Klein-Marokko: Ein Viertel im Umbruch

Diakonie, Anwohner und Polizei diskutierten über das Gebiet rund um die Ellerstraße.

Düsseldorf. Über kaum einen Stadtteil Düsseldorfs wurde in den vergangenen zwei Jahren so intensiv diskutiert wie über „Klein-Marokko“ in Oberbilk: Großrazzien machten das Gebiet rund um die Ellerstraße deutschlandweit bekannt — als verruchte Ecke mit Kriminalitätsproblem.

Düsseldorf: Klein-Marokko: Ein Viertel im Umbruch
Foto: Sergej Lepke

Doch wie sieht es heute aus im Maghrebviertel, ist der „Orient in Oberbilk“ ein „Sehnsuchtsort oder Verbrechernest?“, fragte eine Diskussionsrunde am Mittwochabend.

Um den damaligen Anstieg der Straftaten richtig einordnen zu können, hatte die Polizei 2015 ein Analyseprojekt gestartet, infolgedessen es die Großrazzien gab, die „Klein-Marokko“ zu zweifelhafter Bekanntheit brachten. „Auslöser für die Razzien waren Initiativen von innerhalb des Stadtteils, da die Bewohner etwas gegen die zunehmende Kriminalität tun wollten“, erläuterte Dirk Sauerborn von der Polizei.

Die Analyse hätte bestätigt, dass die Ellerstraße sich zu einem Rückzugsort für Straftäter entwickelt hatte — zum Leidwesen der meisten Bewohner, die bis heute unter dem schlechten Image leiden, das dem Viertel seitdem anhaftet. Dabei trug ihre Kooperation mit der Polizei zu den Ermittlungen bei und ermöglichte so den ersten Schritt mit weniger Kriminalität und mehr Offenheit. Sauerborn rät davon ab, sich den Blick auf das Marokko-Viertel durch Vorurteile kaputt machen zu lassen und ruft dazu auf, das Viertel zu besuchen: „Wir haben viel mit den Bürgern über ihre Bedürfnisse gesprochen und es hat sich einiges verändert. Die Zahl der Straftaten hat sich zurückentwickelt und viele der Bewohner engagieren sich, um den Stadtteil nach vorne zu bringen.“

Eine der Fragen des Abends war auch, ob es einer Stadt gut tut, zuwanderungsgeprägte Gebiete zu haben. Jamal Omeirate, seit 18 Jahren Bewohner des Marroko-Viertels, hält Quartiere wie dieses für einen Ort, an dem er sich wohlfühlen kann, weil er von Dingen und Menschen umgeben ist, die vertraut sind. Er lobt die positiven Seiten: „In unserem Stadtteil gibt es viel Solidarität, die Menschen achten aufeinander und helfen sich gegenseitig.“

Der Stadtteil möchte Offenheit ausstrahlen und sich von schlechteren Zeiten distanzieren. Dazu diente auch das Maghreb-Mai-Fest, das in diesem Jahr erstmals veranstaltet wurde und von nun an jährlich möglichst viele Besucher anlocken soll.

Einer der Organisatoren des Festes ist Khalifa Zariouh. Die große Aufmerksamkeit der vergangenen zwei Jahre habe auch zu vielen positiven Entwicklungen geführt und die Stimmung habe sich spürbar verbessert. Als Zeichen für gelungene Integration standen für das Straßenfest marokkanische Künstler mit deutscher Musik auf der Bühne.

Mohamed Rhounan, der ebenfalls an der Organisation des Maghreb-Mai-Festes beteiligt war und am Mittwoch die Diskussion aus dem Publikum heraus verfolgte, plädiert für gelebte Integration: „Jeder kann seinen Teil dazu tun. Die Menschen müssen offener aufeinander zu gehen.“

Integration funktioniere nur, wenn man sich aufeinander einlasse. Schon ein Lächeln könne viel bewirken.