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Klaviermann liefert sich einen Kleinkrieg mit dem OSD

Klaviermann liefert sich einen Kleinkrieg mit dem OSD

Straßenmusiker Sven Wildöer reist mit seinem Klavier durch Deutschland. Das erfreut die Zuhörer. Doch der OSD stört sich an der Spieldauer und dem Verkauf seiner CDs.

Düsseldorf. Eigentlich ist Sven Wildöer ein Freund der leisen Töne. Wenn der Theologie- und Sportstudent in die Tasten seines mobilen Klaviers greift, bleiben die Menschen gern stehen und lauschen seinen Klängen. Doch seit rund drei Wochen ist der Straßenmusiker alles andere als ruhig. Der 25-Jährige ist regelrecht aufgebracht, wenn er an seine Auseinandersetzung mit dem Ordnungs- und Servicedienst (OSD) denkt.

Seit Jahren verdient sich der Dortmunder bundesweit in Fußgängerzonen sein Geld als Straßenmusiker. Das kommt beim Publikum an — nicht aber bei der Stadt Düsseldorf. „So etwas wie hier habe ich noch nicht erlebt“, sagt Wildöer. Mehrfach hätten OSD-Mitarbeiter mit Anzeigen gedroht und ihm verboten zu spielen, weil er teilweise länger als die vorgeschriebenen 30 Minuten an einem Ort spielte und darüber hinaus CDs seiner Musik verkauft — beides ist laut den „Spielregeln für Straßenmusikanten in Düsseldorf“ verboten.

Nachdem der Klavierspieler bereits mehrfach mit dem OSD aneinandergeraten war, kam es am Wahlsonntag (13. Mai) auf dem Burgplatz zum offenen Streit. Mitarbeiter des Amts sollen gedroht haben, das Klavier zu konfiszieren. Wildöer filmte die Auseinandersetzung und stellte das Video samt Kommentar auf seine Facebook-Seite — hunderte Fans gaben ihm Recht, kritisieren und beschimpften den OSD. Daraufhin setzten sich die Ordnungshüter mit Facebook in Verbindung und ließen das Video — auf dem eine äußerst aggressive OSD-Mitarbeiterin zu sehen ist — mit Verweis auf das Recht der Mitarbeiterin am eigenen Bild löschen.

Seitdem sind die Fronten, freundlich ausgedrückt, verhärtet. Wildöer nennt den OSD „Kulturfeinde“, die Behörde wiederum sieht in ihm einen renitenten Querkopf, der sich nicht an allgemeingültige Regeln hält.

Für die Zuhörer ist der Streit indes kaum nachvollziehbar. „Seine Musik ist so angenehm, so etwas wertet eine Stadt auf“, sagt Heino Gärtner, während Wildöer am Rathausplatz spielt. Uwe Zinkemat kann die Vorgaben ebenfalls nicht verstehen: „Die Musik sorgt für eine tolle Atmosphäre, freie Künstler sind wichtig für das Stadtleben.“ Auch Helga Gronen kann keine Belästigung für die Altstadt-Besucher erkennen: „Die Stadt sollte sich lieber mal um grölende Junggesellenabschiede kümmern. Unser Klaviermann ist eine Wohltat“, sagt die Düsseldorferin, die immer stehenbleibt, wenn sie Wildöer spielen hört.

Dagegen will Ordnungsamtsleiter Michael Zimmermann nichts sagen, doch es könne keine „Lex Wildöer“ geben: „Jeder darf hier unangemeldet spielen“, sagt er. Da aber nicht alle Musiker dieselbe Qualität haben und es hin und wieder Beschwerden gibt, wurden die Regeln eingeführt. Eine Kommission, die von Fall zu Fall ihr Okay gibt, sei unrealistisch. „Wer soll objektiv über die Qualität der Musik entscheiden? Sollen wir etwa einen Künstlerbeirat aufstellen?“, fragt Zimmermann. Außerdem würde dann aus einem genehmigungsfreien ein genehmigungspflichtiger Tatbestand. „Das wollen wir nicht. Jeder soll ohne Anmeldung spielen dürfen. Aber mit Regeln für alle.“

Es ginge auch gar nicht so sehr um die Dauer. „Wir stehen nicht mit der Stoppuhr daneben“, sagt Zimmermann. Gravierender sei der CD-Verkauf. Wildöer hält dagegen, dass er die Tonträger nicht verkauft, sondern gegen eine Spende abgibt. „Er hat dort ein Preisschild stehen. Selbst wenn es offiziell eine Spende ist, ist es ein verkapptes Verkaufsangebot“, erklärt Zimmermann.

So wird der Streit wohl weitergehen. Wildöer will weitermachen wie bisher, die Zuhörer freuen sich, der OSD verweist auf die Regeln. Ende offen.