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Klares Ja zum Feier-Verbot für Schläger

Klares Ja zum Feier-Verbot für Schläger

Das neue Konzept von Justiz und Polizei kommt bei den Bürgern gut an. Die Polizei glaubt an die Umsetzbarkeit.

Düsseldorf. Mit einem neuen Konzept wollen Justiz und Polizei die Situation an der längsten Theke der Welt verbessern. Eine von Jugendrichtern verhängte „Altstadt-Sperre“ soll junge Straftäter zum Nachdenken bringen, Wer sich nicht daran hält, dem droht Jugendarrest. Gestern wurde die Idee mit Experten und Bürgern am WZ-Mobil eifrig diskutiert.

„Wie kann das denn funktionieren? So etwas muss doch kontrolliert werden?“, zeigte sich Rosemarie Ossinger skeptisch. Jürgen Bielor, der Leiter der Altstadtwache, erklärte ihr, wie das Konzept funktioniert: „Die Jugendrichter geben die Daten an uns weiter. Wir stellen dann bei unseren Überprüfungen in der Altstadt fest, ob gegen die Anweisung verstoßen wurde.“ Dann erfolgt eine Rückmeldung an den Richter, der dann gegen die Delinquenten einen Jugendarrest anordnen kann. Wichtig sei zudem, dass eine solche Maßnahme „zeitnah“ stattfindet und nicht erst lange nach dem Vorfall.

Es komme vor allem auf die intensive Kommunikation zwischen Justiz und Polizei an. „Wir teilen dem Gericht auch mit, wie sich ein Jugendlicher verhält, wenn wir ihn trotz des Verbotes in der Altstadt antreffen“, sagt Polizei-Sprecherin Susanna Heusgen. Es spiele im Einzelfall eine große Rolle, ob sich ein Betroffener einsichtig zeige, oder ob ihm das Altstadt-Verbot völlig egal sei.

„Grundsätzlich kann ich das verstehen“, sagt Patrick Schmitz (24), der allerdings auch bereits ganz andere Erfahrungen gemacht hat: „Mir ist es schon passiert, dass ich nichts gemacht habe und trotzdem aus einer Gaststätte rausgeflogen bin. In dem Moment habe ich mich als Opfer gefühlt.“

Auch die Wirte klagen über die zunehmende Gewalt in der Altstadt, insbesondere auf der Bolkerstraße. „Das wird immer schlimmer und daher bleibt zu bestimmten Zeiten unser Stammpublikum weg“, sagt Thea Ungermann, Junior-Chefin der Brauerei Schumacher. Das Problem seien die vielen Partylokale, die ein schlechtes Publikum anziehen würden. „Am Samstag- und Sonntagmorgen ähnelt die Bolkerstraße eher einer Müllkippe.“ Zudem sollte es ihrer Meinung nach am Wochenende ein Glasflaschenverbot geben. „Leider schmeißen viele Leute, die sich ihr Bier am Kiosk kaufen, die leere Flasche auf die Straße. Das Konzept hat sich im Karneval bewährt.“

Auch Martin Lück, Vorstandsmitglied der Altstadtgemeinschaft, begrüßt die neue Initiative: „Es ist ein guter Versuch, wenn diese Maßnahme jetzt auch umgesetzt wird.“ Eines der Hauptprobleme sei aber nach wie vor, dass die Jugendlichen zu leicht an Alkohol kommen: „Es gibt zu viele Büdchen in der Altstadt. Das Thema haben wir immer wieder auf der Tagesordnung.“

Auch wenn sich an der Gesamtsituation rund um die Bolkerstraße kurzfristig wenig verändern wird, erhofft sich Frank Hermsen, Geschäftsführer des Altstadt-Marketings, von dem Konzept eine dauerhaften Erfolg: „Es muss eine Atmosphäre des Unwohlseins geschaffen werden, wenn gegen das Altstadt-Verbot verstoßen wird.“ Jugendarrest bedeutet übrigens auch, dass die Delinquenten von der Außenwelt praktisch abgeschnitten sind: kein Computer, kein Handy, kein I-Phone. Für viele wohl die schlimmste Strafe.