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Kirche besitzt Luxushäuser an der Kö

Kirche besitzt Luxushäuser an der Kö

Katholische Kirche investierte in den vergangenen Jahren mehr als 200 Millionen Euro in Toplagen in der Innenstadt.

Düsseldorf. Ist die katholische Kirche in Deutschland zu reich? Nach dem Fall Tebartz-van Elst stehen nicht mehr nur die Kosten für den Protzbau des Limburger Bischofs im Zentrum der Debatte, sondern das Vermögen der Kirche insgesamt. Das Problem: Selbst führende Kirchenvertreter haben darüber keinen Überblick. Der Politologe Carsten Frerk schätzt aber, dass es mehrere hundert Milliarden Euro sind.

Dass die katholische Kirche offenbar im Geld schwimmt, lässt sich auch in Düsseldorf nachvollziehen. Und zwar ausgerechnet an der Kö. Gleich vier Immobilien hat die Aachener Grundvermögen Kapitalanlagengesellschaft, die indirekt zu 100 Prozent den katholischen Bistümern gehört, hier in den vergangenen vier Jahren gekauft. Und zwar die Häuser mit den Nummern 17, 72, 76, 78 — die Mieter sind Abercrombie & Fitch, Giorgio Armani, H & M und Esprit. Der Wert der Immobilien liegt bei weit über 100 Millionen Euro.

Ebenfalls in attraktiver Innenstadtlage erwarb die Fondsgesellschaft 2010 das C & A-Gebäude an der Schadowstraße 77-79, hier liegt der Verkehrswert bei 55 Millionen Euro. Hinzu kommen Objekte etwa an der Flinger Straße und Wohnungen — etwa an der Beuthstraße. Insgesamt wurden in den vorigen Jahren mehr als 200 Millionen Euro investiert.

Auch wenn die Aachener Grund mittlerweile Fonds für nicht-kirchliche, institutionelle Anleger auflegt, stammt doch nur ein Drittel aus diesem Feld, wie der Geschäftsführer Frank Wenzel auf WZ-Nachfrage sagt. So gehören besagte Düsseldorfer Immobilien tatsächlich mehrheitlich der katholischen Kirche.

Wenzel erklärt die Strategie: „Wir setzen auf innerstädtische 1A-Lagen, weil der Markt dort am stabilsten ist und nachhaltige, langfristig angelegte Investments möglich sind.“ Düsseldorf als wirtschaftliche starke Stadt sei da besonders attraktiv. Grundsätzlich nehme der Aachener Grund-Fonds den kirchlichen Institutionen die Arbeit ab und investiere für sie. Das angelegte Geld könne dann bei Bedarf beispielsweise für die Sanierung von Gebäuden verwendet werden.

Dass die katholische Kirche so zum Geschäftspartner von Mietern wie Abercrombie & Fitch und H&M wird, hält Wenzel für unproblematisch. Beide Unternehmen stehen regelmäßig wegen ihres Umgangs mit den Mitarbeitern in der Kritik. Abercrombie verkauft zudem keine XL-Mode für Frauen, da das wohl nicht zum Schönheitsideal des Unternehmens passt, H & M wird vorgeworfen, unter zum Teil menschenunwürdigen Bedingungen produzieren zu lassen.

Wenzel: „Das sind zwei ganz normale Textilunternehmen. Solange die Geschäftsgebaren nicht unerträglich werden, sehen wir keinen Handlungsbedarf.“ Für bessere Produktionsbedingungen und einen besseren Umgang mit den Mitarbeitern müssten die Unternehmen selbst sorgen. Doch es gebe auch Ausschlusskriterien: zum Beispiel für Sexshops und Spielhallen.

Insgesamt jongliert die Aachener Grund heute mit einem Fondsvolumen von 4,6 Milliarden Euro, und ist damit in den vergangenen Jahren gewaltig gewachsen. Das Wirtschaftsunternehmen katholische Kirche floriert offenbar prächtig, während die Mitglieder reihenweise austreten — in Düsseldorf sind es mittlerweile unter 200 000, während es 1970 noch 334 000 waren. Ein Vertreter der katholischen Kirche in Düsseldorf war am Montag nicht für die WZ zu erreichen.