1. NRW
  2. Düsseldorf

Kein Miet-Fahrrad in Sicht: Düsseldorf radelt hinterher

Kein Miet-Fahrrad in Sicht: Düsseldorf radelt hinterher

Räder zum Mieten boomen – in anderen Städten. In Düsseldorf geht's nicht voran: Die Politik will, aber die Verwaltung bockt.

Düsseldorf. Am Donnerstag wird in Stuttgart die neue Saison für Mietfahrräder eröffnet. Dann stehen dort wieder 400 Vehikel in der City bereit, nutzbar für jeden, der radeln will. "Call a bike" heißt das System der Deutschen Bahn, das auch in fünf weiteren Städten wieder an den Start geht. Und in Düsseldorf? Fehlanzeige! Seit Jahren wird über die Einführung diskutiert, passiert ist nichts. Immerhin will die Bahn im Sommer eine Mini-Version starten: 20Miet-Räder sollen dauerhaft am Hauptbahnhof installiert werden. Dort können sie entliehen werden - und dorthin müssen sie auch zurück gebracht werden.

Das freilich ist wenig attraktiv. Der Reiz des Systems besteht darin, dass hunderte Räder flächendeckend über die Innenstadt verteilt sind. Anderswo fährt man gut damit: "Vor allem Touristen, Studenten und Geschäftsleute nutzen das Angebot", sagt Claus Köhnlein, Fahrradbeauftragter der Stadt Stuttgart. "Für uns ist das eine Imagefrage: Wir wollen die Stadt für Radler attraktiver machen. Die Resonanz ist sehr gut." Das ist sie auch anderswo: 2007 etwa nutzten schon 68 000 Kunden "Call a bike", die Zahl der Fahrten steigt.

"Auch Düsseldorf wäre für uns interessant", sagt Andreas Knie von der zuständigen Bahn-Tochter DB Rent. "Die Stadt muss nur mal sagen, was sie will." Die will - nichts. Denn das System gibt’s nicht kostenlos: Die Rede ist von 150000 Euro Zuschuss im Jahr. Eine Konkurrenz-Firma will statt Geld Werbeflächen zur Vermarktung. Aber: "Mehr Werbung wollen wir nicht. Und so viel Geld ist im Etat auch nicht vorgesehen", sagt Roland Hahn vom Amt für Verkehrsmanagement.

Fakt ist: In Berlin, Frankfurt, Köln und München hat die Bahn die Einführung allein finanziert - zu Werbezwecken. Alle weiteren Städte sollen zahlen, so wie Karlsruhe und Stuttgart es tun. Wie viel, das muss verhandelt werden. Stuttgart etwa zahlt 110 000 Euro im Jahr und hat dafür erreicht, dass alle Fahrten bis zu 30Minuten gratis sind. In Düsseldorf sind die Gespräche so weit nie gekommen.

Die Politiker sind darüber enttäuscht. "Wir sind Gartenstadt, Miet-Räder bieten sich da an", meint FDP-Vize Manfred Neuenhaus. Und: "Ich denke, Oberbürgermeister Erwin als Klimaschützer wird das auch begrüßen." Auch SPD und Grüne sind dafür. "Wir nennen uns fahrradfreundliche Stadt, aber wenn es hart auf hart kommt, kneift die Verwaltung", wettert Rolf-Jürgen Bräer (SPD). Skeptisch ist nur die CDU. Die Frage sei, ob der Bedarf vorhanden ist. Aber: "Das Thema ist nicht durch", sagt CDU-Fraktionschef Dirk Elbers. "Wir sollten schauen, wie die 20 Räder am Bahnhof angenommen werden und dann nochmal überlegen."