Karneval und Kirche sind im Einklang – auch in Düsseldorf

Gastkommentar : Karneval und Kirche sind im Einklang – auch in Düsseldorf

Es ist nur schade, findet unser Gastautor Michael Hänsch, dass bei der karnevalistischen Delegation beim Papst keine Düsseldorfer dabei waren.

Interessiert und amüsiert konnte der Zeitungsleser die Berichterstattung über den Besuch führender Karnevalisten aus einer nicht unbedeutenden Stadt stromaufwärts bei Papst Franziskus in Rom lesen. Der Express fragt sogar „Ja spinnen die Kölner jetzt?“ Sie spinnen natürlich nicht. Aber eine andere Frage scheint mir wichtiger: „Warum fahren Prinz Martin und Venetia Sabine nicht mit dem Kardinal von Köln und dem Dreigestirn nach Rom?“

Zwar passt die Karnevalskultur im Rheinland mit ihren vielen Festen und Umzügen in unsere Erlebnisgesellschaft. Das närrische Treiben ist aber viel älter und gehört zur christlichen Kultur: „Fastelovend“ oder „Fastnaht“, so heißt seit etwa 1200 Jahren der Vorabend der Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt und in der sich Menschen auf Ostern, das höchste christliche Fest, vorbereiten. Bevor die Zeit des Fastens begann, wollte man feiern, essen, trinken und noch einmal richtig „auf die Pauke hauen“.

Michael Hänsch ist der Geschäftsführer der Katholischen Kirche Düsseldorf. Foto: Judith Michaelis

Brauchtumsforscher berichten: Schon lange vor dieser Zeit wurde „zwischen Winter und Frühling“ ein altes Vorfrühlings- und Fruchtbarkeitsfest gefeiert, bei dem die Menschen mit Masken, Kostümen und Radau die Wintergeister vertreiben wollten. Der Begriff „Fastnaht“ stammt wahrscheinlich auch vom niederdeutschen Wort „faseln“, das „fruchtbar sein“ und „gedeihen“ bedeutet.

Auch der Begriff „Karneval“, der aus dem Lateinischen kommt, drückt aus, worum es eigentlich geht: „Carne vale“ heißt „Fleisch – lebe wohl“: In der Vorbereitung auf das Osterfest verzichteten die Menschen früher in der Fastenzeit 40 Tage auf Fleisch, Eier und Milchprodukte.

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit und die Kirche begleitet Jesus in dieser Zeit auf seinem Weg durch Leid und Tod bis zur Auferstehung an Ostern.

Karneval und Fastenzeit gehören eng zusammen, denn die Fastnacht definiert sich ja von der Fastenzeit her. An den tollen Tagen werden rauschende Feste gefeiert, Frohsinn und Narretei ausgelebt. Und man kann dabei im Schutz von Masken und Kostümen unerkannt bleiben, vielleicht sogar „im Spiel“ die Rolle eines Bösen, eines Ungeheuers einnehmen. Man darf an diesen tollen Tagen die „böse Welt“ ausprobieren und der Narr darf auch Dinge aussprechen, ans Licht bringen, die sonst keiner sagen darf: Er hat „Narrenfreiheit“. Sein Witz macht uns Freude und steckt uns vielleicht an, dass wir uns selbst nicht zu ernst nehmen.

Deshalb ist es eigentlich prima, dass der Karneval auch seine Aufwartung bei Papst Franziskus macht.

Aber unsere Tollitäten sind in der Domstadt nicht in den Blick genommen worden. Schade, ich glaube nämlich, der Heilige Vater hatte sich sehr über Düsseldorfer Senf und leckeres Altbier gefreut.

Michael Hänsch ist der Geschäftsführer der Katholischen Kirche in Düsseldorf. Archivfoto: JM

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