Karneval beschert Hotels und Gastronomie Millionen-Einnahmen

Karneval : Touristen und Düsseldorfer machen Karneval zum Millionengeschäft

Heute starten Feiertage für Hotels und Kneipen. Im Vergleich zu Köln wird der Karneval aber dezent beworben.

Dass der Karneval in Düsseldorf ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, ist hinlänglich bekannt. Hunderttausende Teilnehmer spülen Millionen von Euro vor allem in die Kassen von Gastronomie und Hotellerie. Erstaunlich ist eher, dass die fünfte Jahreszeit von Düsseldorf Tourismus (DT) eher dezent beworben wird, auf dem offiziellen Tourismusportal (duesseldorf-tourismus.de) kommen einem groß der Aquazoo, eine Architekturführung oder der „Urban Art walk“ entgegen, erst darunter und viel kleiner werden „Altweiber vor dem Rathaus“, der Rosenmontagszug und noch weiter runter auch ein „Hotelpaket zu Karneval“ angeboten. Immerhin: Auf der Facebook-Seite der DT ist der Karneval in der ersten Reihe platziert, inklusive einem Video mit Ausschnitten vom Zoch und dem Treiben in der Altstadt.

Zahl der Übernachtungen im Februar steigt an

Dennoch: In Köln wird der Karneval viel stärker angepriesen. Dort springt Besuchern diverser offizieller Homepages (Stadt, Köln-Tourismus) die „Fünfte Jahreszeit“ sofort, groß und bunt geradezu ins Gesicht, garniert mit Schlagzeilen wie „Karneval feiern“ oder „Die besten Hotel-Tipps zu Karneval“. In Köln ist halt die ganze Stadt (mindestens) von Altweiber bis Rosenmontag im Karnevalsrausch, während es in Düsseldorf durchaus noch viel Leben jenseits der Jecken gibt (außer vielleicht am Rosenmontag).

Dabei sind die Zahlen zum „Wirtschaftsfaktor Karneval“ durchaus auch in Düsseldorf eindrucksvoll, wenngleich sie keine eindeutigen Relationen abbilden können. So ermitteln weder die Dehoga (Hotel- und Gaststättenverband) noch die DT genau, wie viele echte Karnevalstouristen an den tollen Tagen in Düsseldorf übernachten. Im Februar 2018 hat die DT 336 500 Gästeübernachtungen in Düsseldorf gezählt, ein Plus von sieben Prozent gegenüber 2017. Allerdings fand da auch die Messe Metav mit mehr als 26 000 Besuchern statt. Zum Vergleich: 2017 waren es 314 500 Übernachtungen (ohne zusätzliche Messe), 2012 waren es im Februar noch 291 000 Übernachtungen. „Der Karnevalsmonat Februar hat also insgesamt an Attraktivität gewonnen“, sagt DT-Sprecher Roman von der Wiesche, „nicht wenige davon werden mit Karnevaltrips zusammenhängen.“

Auch die Kölner haben keine genauen Zahlen über Karnevalstouristen in ihrer Stadt, das lasse sich schlicht nicht exakt ermitteln, sagt Claudia Neumann, die Sprecherin von „Kölntourismus“. Aufgrund von Befragungen und Stichproben gebe es allerdings „Schätzzahlen“: Danach übernachten rund 100 000 auswärtige Jecken in kommerziellen Kölner Herbergen rund um den Rosenmontag. Doppelt so viele, also 200 000, übernachten privat in der Domstadt, sprich bei Freunden, Bekannten, Kollegen oder Familienangehörigen, schätzen die Kölner Tourismusexperten. So mancher dürfte außerdem eine Nacht gleich ganz durchmachen und dann am nächsten Morgen in einen Zug nach Hause steigen. Am Rosenmontag 2018 feierten laut Stadt und Carnevals Comittee etwa 450 000 Menschen in Düsseldorf, CC-Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann schätzt, dass ein Drittel davon von auswärts kam. Alle zusammen spülen auf jeden Fall viel Geld in die Kassen von Kneipen, Restaurants, Imbissen und Co., insbesondere in der Altstadt. Im Schnitt sollen Tagesreisende 37 Euro in Düsseldorf ausgeben. Was die einheimischen Narren lockermachen, hat jetzt die Targobank ermittelt: 70 Euro im Schnitt am Rosenmontag sollen es nur für den Straßenkarneval, sprich ohne Ausgaben für Kostüme oder Eintrittskarten für Partys und Bälle, sein. Auch wenn man einschränkend sagen muss, dass die Datenbasis dieser Erhebung eher dünn war (1071 Befragte in zehn rheinischen Städten), wird klar, wie lukrativ der Rosenmontag in Düsseldorf ist.

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