KAP 1: Ausbau beginnt bei den Boten

KAP 1: Ausbau beginnt bei den Boten

Ein Kulturzentrum für sechs Institute am Hauptbahnhof bietet Chancen. Konkret wird es bereits ab Sommer.

Mit 25 500 Quadratmetern Nutzfläche erhält die Stadt im ehemaligen Postgebäude am Konrad-Adenauer-Platz 1 ein gigantisches Kulturzentrum. Die Baugenehmigung ist erteilt, der Mietvertrag mit dem Versorgungswerk der Zahnärzte ist geschlossen. Der Mietbeginn wird allerdings erst für Dezember 2020 erwartet. Noch sitzen nämlich die Briefzusteller im dritten Obergeschoss und müssen dort so lange bleiben, bis das Erdgeschoss hinter den Arkaden an der Immermannstraße umgebaut ist. Die Briefboten ziehen im Sommer um, danach ist Baubeginn.

Das Projekt KAP 1, von der Immobilienfirma Aengevelt in Umlauf gebracht und drei Jahre lang auf Schritt und Tritt begleitet, hätte eigentlich nach dem Geschmack der CDU sein können, wo man in der Vergangenheit gern Synergie-Effekte in den Kulturbauten diskutierte. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) machte sich das Projekt zu eigen und erregte damit den Widerstand der CDU. Doch Kulturdezernent Hans-Georg Lohe (CDU) als zuständiger Dezernent freut sich über die Entscheidung insbesondere für die Stadtbüchereien, und er betont dies im Interview (siehe unten).

Geisel gibt sich gern als ein geschickter Verhandlungsführer im Gespräch mit Grundstückseigentümern. Er hat den Mietpreis für einen der besten Standorte in Düsseldorf auf sensationelle 9,90 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete gedrückt. 250 000 Euro muss er monatlich aus der Stadtkasse berappen, um die Kultur unter einen Hut zu bringen.

In der Vergangenheit ging es in der Diskussion um KAP 1 darum, ob man mieten solle oder selbst bauen könnte. Vergessen wurde dabei zu berücksichtigen, dass KAP 1 das bei der Suche um einen Standort das erste Gebäude ist, das eine Bibliotheksnutzung zulässt, denn Bücher sind verteufelt schwer. Die Statik ist perfekt, die Deckenhöhe ideal, die Räume sind barrierefrei. Andererseits hat der Bau so viele fensterlose Räume, dass sie sich als Lagerflächen gut eignen.

Die eigentlichen Bauarbeiten beginnen im Sommer mit dem Aufbruch des Baus für das Entree. Vom zentralen Eingang geht es über drei gläserne Aufzüge nach oben. Statt derzeit 7000 Quadratmeter stehen zukünftig 13 600 Quadratmeter für die neue Zentralbibliothek zur Verfügung. Es gibt benutzerfreundliche Regale, große Freiflächen, 200 Internet-Plätze und freies WLAN. Ein Lesecafé soll neben den neuen Lesesaal kommen. 300 Parkplätze stehen in zwei Untergeschossen sowie 50 Parkplätze im Erdgeschoss bereit. Die Plätze müssen sich die Büchernarren allerdings mit dem Lid- Supermarkt teilen.

Es baut das Düsseldorfer Architektenbüro RKW. Lediglich beim Forum Freies Theater (FFT) ist die Stadt verantwortlich. Wie schon für die Rheinoper holte sie sich für die Planung die Firma Daberto aus München. Auf 2540 Quadratmetern soll es ein piekfeines Theaterhaus werden. Gedacht ist an 230 Zuschauerplätze, an Umkleideräume, zwei Proberäume und Büros. Als Erstes werden der Stadt die Flächen für das FFT Mitte 2019 übergeben, allerdings als Rohbau. Mit 7,5 Millionen Euro ist der Ausbau veranschlagt. Für die Räume rund um die Bühne wurde das Düsseldorfer Architekturbüro Hinrich Meyer aus Kaiserswerth hinzugezogen, das etwa für die Gestaltung des Foyers und des Theatersaals verantwortlich ist.

Im Gegenzug kann das Gebäude an der Kasernenstraße 6 freigemacht und in den nächsten Jahren verkauft werden. Der Standort Jahnstraße (ehemalige Kammerspiele) wird aufgegeben. Hier wäre sonst eine sehr teure Sanierung im Souterrain fällig.

Magazinflächen gibt es für das Stadtarchiv (1000 Quadratmeter), das Stadtmuseum (900) und das Heinrich-Heine-Institut (450). Eine heftige Diskussion entbrannte um das Theatermuseum im Hofgärtnerhaus. Geisel musste versprechen, das Haus am Hofgarten nicht zu verkaufen, sondern kulturell als Galerie, Künstleratelier und/oder öffentliches Café zu nutzen. Die Theaterarchivalien werden im KAP 1 verstaut. Einen Veranstaltungsraum muss sich das Theatermuseum mit der Bibliothek teilen.

Die Schulverwaltung, die von dem einstigen Oberbürgermeister Dirk Elbers an den Merowingerplatz verbannt wurde, erhält einen bürgerfreundlichen Standort auf 5000 Quadratmetern. Der frei werdende Komplex im Süden der Stadt kann, wie ursprünglich geplant, zum Technologiezentrum für Start-ups werden.

Im KAP 1 verbleibt die Deutsche Rentenversicherung (erste Etage mit 5000 Quadratmetern) und die DHL mit 2500 statt bislang 21 000 Quadratmetern Nutzfläche.

Ein prosaischer Nutzer wird Lidl. Während Edeka im alten Horten-Kaufhaus 16 000 Quadratmeter mietet, begnügt sich Lidl am Hauptbahnhof mit 2700 Quadratmetern, davon 1950 für den Verkauf. Die Supermarktkette erhält allerdings im IDR-Parkhaus am Carlsplatz weitere 700 Quadratmeter.

Mehr von Westdeutsche Zeitung