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Kanal wie unter der Reeperbahn

Kanal wie unter der Reeperbahn

Der Hafensammler in Hamm ist für mehr als sieben Millionen Euro saniert worden. Das gesamte Kanalnetz ist 1550 Kilometer lang und hat einen Wert von 1,8 Milliarden Euro.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Die stinkende Schwefelsäure hat keine Chance mehr. Für mehr als sieben Millionen Euro ist der marode Hafensammler in Hamm saniert worden. Der Beton des großen Sammelkanals (Durchmesser: 2,50 Meter) war durch Schwefelsäure angegriffen worden und musste runderneuert werden. Zum Schutz ist der Kanal jetzt im Inneren mit dem Kunststoff Polyethylen verkleidet worden. Der soll gegen die Schwefelsäure und sämtliche Bakterien resistent sein. Nach mehr als drei Jahren Bauzeit wird der Hafensammler im Juli wieder in Betrieb genommen.

"Dieses Material ist das beste, was es gibt", sagt Heiner Hammer von der Hamburger Firma GFA, die den Kanal saniert hat. "Wir haben es schon in den 70ern in Singapur und übrigens auch unter der Hamburger Reeperbahn verwendet." Dort habe es seitdem keine Probleme mehr gegeben. Außerdem werde dieser Kunststoff auch bei Kanälen verwendet, die unter Deponien für chemischen Müll verlaufen. "Die Verkleidung hält bestimmt 200 Jahre", sagt der Experte.

"Wir gehen erstmal von 80 Jahren aus", ergänzt Claus Henning Rolfs, Technischer Leiter des Stadtentwässerungsbetriebs. Die Sanierung der 1,1 Kilometer langen Kanalstrecke vom Hafen bis zum Klärwerk an der Völklinger Straße sei dringend nötig gewesen. "An dieser Stelle waren die Rohre sehr marode und drohten, einzustürzen."

In der Regel hielten Kanäle etwa 80 Jahre, der Hafensammler hatte aber nur 20 Jahre auf dem Buckel. "An dieser Stelle gelangen sehr viele gewerbliche Abwasser in den Kanal. Dort sind viele chemische Stoffe enthalten, die den Beton angreifen", erklärt Rolfs. Zudem gebe es hier noch eine Pumpstation. "Dann steht das Wasser länger im Kanal und die verschiedenen Stoffe vermengen sich zur stinkenden Schwefelsäure, die den Beton zerfrisst."

Schlechte Nachrichten gibt es übrigens für die knapp eine Million Düsseldorfer Ratten. "Die haben auch keine Chance mehr", verspricht Heiner Hammer. "Ratten können sich nicht durch den Kunststoff fressen." Auch das Laufen über den rutschigen Kunststoff würde ihnen nicht gelingen. In anderen Städten gebe es in den "Kunststoff-Kanälen" kein Ungeziefer mehr.