Kampf Müller gegen Kortmann: Donnerstag beginnt das Finale

Kampf Müller gegen Kortmann: Donnerstag beginnt das Finale

Beide Politiker wollen ein sicheres Ticket für Berlin. Aber es gibt nur eins – Am Donnerstag soll ein Ausschuss entscheiden.

Düsseldorf. Ein Filmregisseur hätte diesen Showdown nicht besser inszenieren können. Den SPD-Parteistrategen aber stehen die Nackenhaare zu Berge: Der seit Monaten schwelende Machtkampf zwischen Karin Kortmann und Michael Müller hat sich so zugespitzt, dass er die Partei zu zerreißen droht.

Nun ist es nicht das erste und wohl auch nicht das letzte Mal, dass sich zwei Konkurrenten befehden. Das kommt in allen Parteien vor. Die Situation der SPD ist so gefährlich, weil zwei politische Schwergewichte um ihre Macht kämpfen. Ihre Gravitationsfelder sind so stark, dass bleibender Schaden droht.

Auf der einen Seite im Ring: Karin Kortmann (49), Bundestagsabgeordnete, Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungsministerium, Parteichefin der Düsseldorfer SPD. Auf der anderen Seite: Michael Müller (60), ebenfalls Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär - im Umweltministerium.

Für beide geht es um die Existenz: Laut Gesetz können nur Mitglieder des Bundestages Parlamentarische Staatssekretäre sein. Wer rausfliegt, ist seinen Job los. Das mag erklären, weshalb Müller und Kortmann so erbittert um den einzigen sicheren Platz der Düsseldorfer SPD im Berliner Parlament kämpfen.

Darum geht es: Müllers Wahlkreis ist der Düsseldorfer Norden, Kortmann tritt im Süden an. Bislang war es so, dass Müller den sicheren Listenplatz bekam, weil er im bürgerlichen Norden schlechtere Chancen hat, den Wahlkreis direkt zu gewinnen. Diese Logik hat in der SPD (analog auch in der CDU) eine Tradition: So versuchen die Kreisverbände, zwei Abgeordnete nach Berlin zu schicken statt nur einen.

Doch Kortmann ficht diese Regelung an: Sie reklamiert, dass es keine sicheren Wahlkreise mehr gebe, angesichts schlechter Umfragewerte und der Linkspartei - insbesondere in ihrem Wahlkreis tritt mit Sahra Wagenknecht eine prominente Vertreterin an. Kortmann weiß: Entweder wird sie über die Liste abgesichert oder es wird sehr, sehr eng für sie. Zumal die Aussichten schlecht sind, dass die Landespartei Düsseldorf einen zweiten sicheren Platz zubilligt.

Nachdem der Konflikt immer wieder vertagt wurde, kommt es nun zum Finale: Kortmann wollte sich am Samstag eigentlich zur Wiederwahl als Parteichefin stellen. Am Freitag beschließt ein Regionalgremium, ob Müller oder Kortmann den sicheren Platz bekommen, von den Düsseldorfer Genossen erwartet man zuvor ein Votum, wohin die Reise gehen soll.

Doch dort schwirren bloß Giftpfeile hin und her. Mal wird aus Müllers Umfeld angedeutet, Kortmanns Wiederwahl am Samstag sei womöglich nicht sicher. Dann wieder heißt es aus Kortmanns Umfeld, sie werde den Bettel von sich aus hinwerfen, wenn Müller nicht einlenkt. Das wiederum schreckt die Gegenseite nicht, schon ist die Rede von einem Plan B.

Kortmanns Problem: Der Norden stellt tendenziell mehr Delegierte. Sowohl auf dem Parteitag am Samstag als auch bei einem kleinen Parteitag am Donnerstag. Der wurde vom Müller-Lager kurzfristig anberaumt, es soll über die Machtfrage abgestimmt werden - Tabula rasa. Das schmeckt der Gegenseite nicht. "Die riskieren die Spaltung der Partei", heißt es. Sogar ein Boykott der Sitzung wird erwogen. Sie beginnt am Donnerstag um 20 Uhr - es ist der Anfang vom Showdown.

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