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Junge Entdecker in der Kaiserpfalz in Kaiserswerth

Junge Entdecker in der Kaiserpfalz in Kaiserswerth

Mit einem Stadtteilführer für Kinder und Schüler-Führungen will der Förderverein neue Mitglieder gewinnen.

Düsseldorf. Dass Bildung viel Spaß machen kann, zeigten gestern rund 30 euphorisch singende Grundschüler, als sie in der Burgruine der Kaiserpfalz die „Ode an die Freude“, eine Vertonung des berühmten Schiller-Gedichts, anstimmten. „Der Ausflug ist ganz toll, obwohl wir nass geworden sind vom Regen“, fasst Luisa (8) zusammen. Die Drittklässlerin der Wittlaerer Franz-Vaahsen-Schule ist begeistert. Und das, obwohl sie mit ihrer Klasse bereits einen 45-minütigen Fußmarsch nach Kaiserswerth und eine gut einstündige Sightseeing-Tour durch den ältesten Stadtteil der Landeshauptstadt hinter sich hat.

Mit einer Auswahl Kaiserswerther Viertklässler und angeführt von Claudia Kuhs, einer leidenschaftlichen Stadt- und Kirchenführerin, hatten sich die Schüler auf Entdeckungsreise durchs historische Kaiserswerth begeben — die fünfte von 25 geplanten Führungen. „Die Kinder sind toll, sie kleben an meinen Lippen und sind äußerst wissbegierig, was das Projekt angeht“, sagt Kuhs und deutet auf ein grünes Ringbuch des Fördervereins Kaiserpfalz Kaiserswerth, das die Kinder in den Händen halten.

„Kinder entdecken Kaiserswerth — ein Buch zum Lesen und Mitmachen“ heißt der Leitfaden, den der Förderverein voriges Jahr herausgegeben hat, um den Düsseldorfer Nachwuchs in Wort, Bild und mittels spannender Führungen auf den Pfad der Heimatkunde zu bringen. „Auch, um neue Mitglieder für den Verein zu gewinnen“, sagt Hagen Lippe-Weißenfeld, zweiter Vorsitzender des Fördervereins. Entstanden ist die Projektidee 2014 im Rahmen des Tags des offenen Denkmals. „Wie können wir das Wissen um unser kulturelles Erbe vermitteln und erhalten, und wer transportiert die Heimatkunde am besten?“, bringt Lippe-Weißenfeld das Projekt auf den Punkt. „Niemand macht das besser als Kinder“, resümiert er inzwischen. „Seitdem es die Mitmach-Führungen gibt (Ostern), konnten wir beobachten, dass Schüler, die bereits teilgenommen hatten, Tage später noch ihren Eltern und Familien das Gesehene zeigten und vom Gelernten erzählten.“

Das habe kulturpolitischen Nährwert, freut sich der vierfache Vater, dessen Sohn Clemens (9) übrigens auch zu den Ausflüglern gehört. Nicht umsonst werde das Projekt von der Bezirksvertretung 5 bezuschusst. Weitere Sponsoren, kunstpädagogische Berater der Kunstsammlung NRW und Historiker haben das Projekt des Fördervereins knapp zwei Jahre lang bis zur Entstehung des Buchs unterstützt — Auflage 2000 Stück.

Der Stadtteilführer kostet 15 Euro. Er komme auch bei Erwachsenen sehr gut an, zu Weihnachten sei er ein beliebtes Geschenk gewesen. Mehrere Hundert Exemplare seien schon verkauft worden. Und weitere 500 wurden an einige der sieben Bezirks-Grundschulen in Wittlaer, Stockum, Lohausen, Angermund, Kalkum und Kaiserswerth verschenkt.

Ziel des Projekts: Es soll sich an Schulen etablieren und durch den Buch-Verkauf zum finanziellen Selbstläufer werden. „Nachahmung erwünscht“, sagt Lippe-Weißenfeld. „Gerresheim zum Beispiel ist interessiert.“ Und der Oberbürgermeister, der Kulturdezernent sowie die jeweiligen Fraktionsvorsitzenden hätten die Idee einer Ausweitung auf ganz Düsseldorf in Gesprächen befürwortet. „Wir beraten andere Bezirke gerne bei der Umsetzung ihrer eigenen Stadtteilführer“, ergänzt Jan Hinnerk Meyer, erster Vereinsvorsitzender. Der frisch gewählte Stadtbildpfleger der Düsseldorfer Jonges weiß: „Bei uns in Kaiserswerth gibt es vor allem drei große Themen innerhalb nur eines halben Quadratkilometers zu erkunden.“ Das seien die Kaiser und Könige, der Ursprung der Diakonie sowie die Christianisierung. Wunderbar zu veranschaulichen sei das mit dem Besuch der Basilika und des Stammhauses des Diakonischen Werks sowie der Burgruine Kaiserpfalz.

Aber auch andere Themen wie das Rhein-Treideln (Ziehen von Schiffen auf Wasserwegen durch Pferde) und der Rheinzoll (1174-1803) seien spannend. Jungen würden sich oft für den Krieg interessieren. Mathilda (9) sagt, sie fand es lustiger, dass ihre Mitschülerin Haeum „immer am Kritzeln war in dem Heftchen.“ Im Buch hatte sie Wissenswertes eifrig mitgeschrieben.