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Jüdische Gemeinde will mehr Geld

Jüdische Gemeinde will mehr Geld

Die Risiken und die damit verbundenen Kosten steigen aus Sicht der Gemeinde enorm an — wegen des Zuzugs aus antisemitischen Staaten und für das neue Gymnasium.

Düsseldorf. Wenn im Sommer das erste Jüdische Gymnasium in Düsseldorf an den Start geht, können sich (Stand jetzt) 41 Kinder in zwei angenehm kleinen Klassen auf ihren Weg zum Abitur machen. Für die Jüdische Gemeinde steht bis dahin aber noch ein organisatorischer und finanzieller Kraftakt an: Wegen der hohen Sicherheitsstandards kostet die Einrichtung des neuen Gymnasiums in einem Gebäude der Stadttochter IDR an der Theodorstraße rund eine Million Euro, sagt Michael Szentei-Heise, der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde, im WZ-Gespräch.

Die Gemeinde verlangt mehr Zuschüsse des Landes, um die Sicherheitsmaßnahmen umsetzen zu können. Anfang Mai treffen sich deshalb mehrere jüdische Gemeinden aus Nordrhein-Westfalen mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Dass jüdische Einrichtungen in Deutschland besondere Schutzmaßnahmen benötigen, ist nicht neu. Doch mit dem Zuzug — etwa von Flüchtlingen — aus antisemitisch geprägten Ländern, erhöhten sich die Sicherheitsanforderungen auch in Düsseldorf, sagt Szentei-Heise, „leider führt an der Erkenntnis kein Weg vorbei“. Schon jetzt, ohne das Gymnasium, betrage die Finanzierungslücke in Düsseldorf 100 000 Euro.

Der Kreis der Düsseldorfer Muslime, in dem 25 Moscheevereine zusammengeschlossen sind, betont, dass man in engem Kontakt mit der Jüdischen Gemeinde stehe: „Wir haben auch gar nichts gegen deren Antrag auf mehr Zuschüsse beim Land, das ist völlig legitim“, sagt Ahmet Top, der Schriftführer des Kreises. Er betont aber auch: „Dass durch den Zuzug von Muslimen sich pauschal die Sicherheitslage der Jüdischen Gemeinde verschlechtert, das akzeptieren wir so nicht.“

Beim neuen Gymnasium in Rath geht es um die verschiedensten Posten: Im Gebäude selbst werden Kameras und eine Sicherheitsschleuse installiert, die Fenster bekommen Panzerglas. „Das sieht man den Scheiben nicht an — außer beim Preis“, sagte Szentei-Heise. Zudem gibt es — wie an der Yitzhak-Rabin-Grundschule am Paul-Spiegel-Platz — einen Fahrservice. Mit dem werden die Schüler der Unterstufe per Bus zur Schule und zurück nach Hause gebracht.

Dass viele Eltern die hohen Sicherheitsvorkehrungen am Jüdischen Gymnasium von vorneherein abgeschreckt haben könnten, glaubt Szentei-Heise nicht: „Wir sind mit unserer Anmeldezahl zufrieden, im nächsten Jahr, wenn wir den Eltern eine Schule mit all ihren Angeboten im Betrieb zeigen können, werden es ganz sicher mehr, dann können wir womöglich schon drei Züge einrichten.“

Tatsächlich gingen in Düsseldorf in diesem Jahr die Anmeldungen an Gymnasien zurück, das an der Schmiedestraße vorgesehene neue städtische Gymnasium kann deshalb 2016 gar nicht aufmachen.