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Düsseldorf: Jetzt knackt Düsseldorf die 630.000er-Marke

Düsseldorf : Jetzt knackt Düsseldorf die 630.000er-Marke

Die Einwohnerzahl wächst rasanter als alle dachten. Schon mahnen Politiker eine Grenze an, weil die Infrastruktur mitwachsen muss.

Düsseldorf. Die Stadt Düsseldorf wächst und wächst und wächst. Genauer gesagt: ihre Einwohnerzahl nimmt zu. Laut der jüngsten städtischen Statistik (Stichtag: 1. Januar 2015) leben 619 651 Menschen in Düsseldorf, jeden Tag kommen welche hinzu — auch, aber keineswegs nur Flüchtlinge.

Die Experten gehen davon aus, dass der Trend anhält: „Schon Ende dieses Jahres ist es gut möglich, dass die 630 000er-Marke geknackt wird“, sagt Manfred Golschinski, der Leiter des Amtes für Statistik und Wahlen. Hauptgrund sind die sogenannten „Wanderungsgewinne“, sprich: Düsseldorf hat weit mehr Zu- als Abwanderer, zudem liegt mittlerweile auch die Geburten- knapp über der Sterberate. Aktuell arbeitet das Statistik-Amt an einer neuen Bevölkerungsprognose für die Jahre 2025 und 2030, die im ersten Halbjahr 2016 fertig sein soll.

Golschinski ist ein gewissenhafter Analytiker und will sich deshalb nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, sagt aber: „Dass die Stadt in zehn Jahren 645 000, 650 000 Einwohner hat, scheint mir nicht mehr unrealistisch zu sein.“ Freilich betont der Amtsleiter auch, wie schnell und unerwartet Entwicklungen plötzlich vonstattengehen können: „Auch uns sind manche älteren Annahmen schlicht davongelaufen.“

In der Tat: Das Stadtentwicklungskonzept (Stek) zum Beispiel rechnete 2009 noch mit 605 000 Düsseldorfern im Jahr 2025. Für die Statistiker des Landes von IT NRW leben derzeit „nur“ 604 527 Menschen in Düsseldorf (Stichtag ist der 31. Dezember 2014). Denn das Land rechnet weiterhin auf Basis des Zensus 2011, während die Stadt wie berichtet neuerdings das Düsseldorfer Einwohnermelderegister zugrunde legt. Allerdings ist IT NRW in Bezug auf die Zukunft noch „großzügiger“ als die Stadt: Stramme 662 000 Einwohner prophezeit man Düsseldorf 2030, 2040 gar 677 000 — das sind nach eigener Rechnung gut 70 000 mehr als jetzt (fast 60 000 mehr nach städtischer Zählweise).

Mit Blick auf die Stadtkarte fragt man sich da: Wo sollen diese Leute dann alle wohnen? Schon jetzt fehlen Wohnungen, und Flächenreserven gibt es auch kaum noch zwischen Wittlaer und Hellerhof. Es sei denn, man würde in die grüne Landschaft hineinbauen. Oder noch viel öfter in die Höhe.

Daran schließen sich weitere Fragen an: Will man überhaupt, dass die Einwohnerzahl so hochschnellt — zumal das auch einen Ausbau der gesamten Infrastruktur (Straßen, Schienen, Kitas, Schulen etc.) nach sich zieht. Doch lässt sich das Wachstum stoppen? „Die Menschen entscheiden, wo sie wohnen wollen“, sagt SPD-Fraktionschef Markus Raub, Düsseldorf müsse den Wohnungsbau noch stärker forcieren, ohne alles zuzubauen“. Sein Parteifreund Martin Volkenrath hält nichts von Obergrenzen: „Das Boot ist nicht voll, wir müssen aber in Zukunft noch genauer eruieren, wo noch gebaut werden kann.“Andreas Hartnigk, Vize-Fraktionschef der CDU, hält dagegen 650 000 Einwohner für das maximal Machbare: „Da kommt die gesamte Infrastruktur der Stadt ins Ächzen.“ Die Stadt müsse mehr mit dem Umland kooperieren, „nicht jede Wohnung muss bei uns gebaut werden“. Allerdings wächst der Speckgürtel ohnehin schon mit, so die Kreise Mettmann und Neuss. Hartnigk ärgert, dass das Land mit einer deutlich geringeren Einwohnerzahl rechnet als die Stadt: „Der Verdacht, dass dies auch fiskalische Gründe hat, liegt nahe, denn eigentlich müsste Düsseldorf bei den Schlüsselzuweisungen mehr Geld bekommen.“