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NRW: Ist Garath wirklich ein Problemviertel?

NRW : Ist Garath wirklich ein Problemviertel?

Analyse Seit Jahren zeigt sich im Stadtteil eine positive Entwicklung, dennoch gibt es noch viele Problemfelder. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie könnten die Lage wieder verschärfen. Jetzt hat die Stadt eine Statistik veröffentlicht, die aber vor Corona entstand.

. Von Menschen, die nicht im Stadtteil wohnen, wird Garath häufig als eines von Düsseldorfs „Problemvierteln“ abgestempelt. Viele Vorurteile kursieren über die Menschen, die hier leben. Die Garather selbst sind allerdings zum großen Teil stolz auf ihren Stadtteil, wollen nirgendwo anders leben und widersprechen jedem, der das Viertel auf die sozialen und wirtschaftlichen Probleme reduziert. Dieser Unterschied aus Fremd- und Selbstwahrnehmung prägt den Stadtteil und seine Rolle in Düsseldorf.

Tatsächlich hängt viel in dieser Diskussion an der Frage, ob dieser schlechte Ruf von Garath als Stadtteil mit übermäßig vielen sozialen Problemen gerechtfertigt ist oder nur aus dem Blick der Düsseldorfer auf die „Trabantenstadt“ im Süden resultiert. Hier hilft ein Blick in die Einwohnerstatistik der Stadt Düsseldorf, die regelmäßig die Lebensumstände der Bürger in den verschiedenen Stadtteilen erfasst. Die aktuellste Erhebung stammt aus dem vergangenen Jahr, daher sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch nicht erfasst – diese dürften unabhängig vom Stadtteil die soziale Problemlage verschärft und Jobs gekostet haben. In den kommenden Jahren wird die Stadt neue Zahlen veröffentlichen, in denen die genauen Auswirkungen deutlich werden.

Wichtige Auskünfte über die soziale Lage im Stadtteil gibt zunächst ein Blick auf die Arbeitslosenzahlen in Garath. 2015 gab es im Stadtteil 1322 gemeldete Arbeitslose, 2020 waren es 1362. Dieser geringe Anstieg von 40 Personen bedeutet aufgrund der ebenfalls gestiegenen Einwohnerzahl, dass die Arbeitslosenquote gesunken ist: Von 18,8 Prozent im Jahr 2015 auf 18,2 Prozent im vergangenen Jahr. Im Vergleich zu ganz Düsseldorf liegt die Quote deutlich über dem Durchschnitt, 9,8 (2020), allerdings ist auch der Rückgang stärker. Bemerkenswert ist dabei der Blick auf Frauen und junge Menschen: Der Anteil der arbeitslosen Frauen sank im untersuchten Zeitraum in Garath sehr stark, und zwar um 3,1 Prozentpunkte, während er im Stadtdurchschnitt nahezu stagnierte. Die Arbeitslosenquote unter 25 Jahren stieg hingegen um vier Prozent, während der Anstieg in ganz Düsseldorf lediglich mit 1,6 Prozent verzeichnet ist. Wie auch im Rest der Stadt ist in den vergangenen fünf Jahren in Garath zudem auch die Quote von Hartz-IV-Beziehern kontinuierlich gesunken, gleichzeitig leben aber mehr Kinder in Bedarfsgemeinschaften. Auch die Grundsicherung im Alter liegt in Garath über dem Stadtdurchschnitt – hier sind rund 15 Prozent betroffen, in Düsseldorf liegt der Durchschnitt knapp über sieben Prozent.

Um Garath mit anderen Stadtteilen vergleichen zu können lohnt ein Blick auf den Anteil der Menschen in Bedarfsgemeinschaften vor dem Rentenalter. Dieser liegt im Stadtdurchschnitt bei 10,9 Prozent, ist jedoch sehr unterschiedlich verteilt. So hat Oberkassel einen Anteil von nur 1,5 Prozent. Garath hingegen liegt bei 28,5 Prozent und hat damit den höchsten Anteil an Sozialleistungsempfängern, auch andere als schwierig geltende Viertel wie Oberbilk (17,8 Prozent) und Hassels (25,2 Prozent) schneiden besser ab.

Aus der Datenlage zieht die Stadt ein gemischtes Fazit. Zwar zeigen sich in Garath, wie auch im Rest von Düsseldorf, positive Entwicklungen. Allerdings sei abzusehen, dass der Aufwärtstrend nachlasse, so sei die Beschäftigungsquote in Garath zum ersten Mal seit Jahren rückläufig. Auch die Arbeitslosenzahlen steigen seit 2019 und die Quote der Transferleistungsempfänger seit 2020 wieder leicht an. Dabei muss beachtet werden, dass die Auswirkungen der Pandemie noch nicht ersichtlich sind, sich jedoch auf die Statistik der nächsten Jahre auswirken dürften.

Es lässt sich also sagen, dass die zahlreichen Angebote, die in Garath etwa die Arbeitslosigkeit bekämpfen sollen, durchaus sinnvoll eingesetzt sind und auch Wirkung darin zeigen, die Lage im Stadtteil zu verbessern. Allerdings steht nicht zu vermuten, dass sich die Situation in den kommenden Jahren in Folge der Pandemie merklich verbessern wird, und auch, dass der gemessene Aufwärtstrend abbricht, steht zu befürchten.