Interview: Fortuna ist 120 Prozent Emotion

Interview: Fortuna ist 120 Prozent Emotion

Jürgen Marbach lebt zwischen Flugzeugen und Fußball. Für ihn gibt es schönere Dinge, als vielleicht noch einmal die LTU zu kaufen.

Düsseldorf. Als LTU-Chef residierte er auf 300 Quadratmetern in der sechsten Etage. Nun hat Jürgen Marbach sein Büro in der Parsevalstraße im Erdgeschoss, vor der Tür werden gerade die LTU-Fahnenmasten abgebaut. Er ist immer montags hier, den Rest der Woche verbringt der 50-Jährige in Wolfsburg als Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten VfL.

Herr Marbach, im Juli gibt es die LTU-Arena nicht mehr. Traurig?

Marbach: Ich bin heute an der Arena vorbeigefahren, weil mir jemand sagte, der Schriftzug steht nicht mehr dran. Dem ist aber nicht so. Die Namenspartnerschaft war damals meine Idee, ich habe sie bei den Gesellschaftern durchgedrückt und den Vertrag unterschrieben. Von daher erfüllt mich nun wie bei jedem Stück LTU, das verschwindet, Wehmut.

Zufrieden mit Esprit als Nachfolger?

Marbach: Das passt. Es ist eine internationale Consumer-Marke mit Sitz in Düsseldorf-Ratingen, die positiv besetzt ist. Der Name passt zum Fußball und signalisiert alles andere als Langeweile. Ich mache aber keinen Hehl daraus, dass ich Henkel als Dax-Unternehmen mit großer Geschichte in Düsseldorf immer für einen besonders geeigneten Kandidaten für die Arena gehalten habe.

Sie waren nach dem Tod von Joachim Erwin bei Fortuna designierter Aufsichtsratsvorsitzender, gingen dann aber nach Wolfsburg. Wie ist die Verbindung heute?

Marbach: Ich bekomme Fortunas Spielstände per SMS mitgeteilt, beispielsweise von Wolf Werner. Mit Fortuna ist es wie mit der LTU: Das ist Schicksal - man leidet mit und wird’s nicht los.

In Wolfsburg sind Sie vom Erfolg verwöhnt. Was sehen Sie dort, was Fortuna bräuchte?

Marbach: Wolfsburg steht aktuell auf einem Champions League-Platz, da wäre ein Vergleich nur ungerecht. Die Strukturen dort sind ungemein professionell, weil VW dahintersteht. Der Klub ist eine 100-prozentige VW-Tochter. Das sind traumhafte Bedingungen. Gerade wird ein Haus für die Fans gebaut.

Was fehlt Fortuna?

Marbach: Geld und eine konstante Struktur. Ich bin froh, das Peter Frymuth so lange im Vorstand ist und jetzt, nach dem Wechsel an der Aufsichtsratsspitze, auch freier und selbstbewusster agieren kann. Man braucht da auch einmal ein dickes Fell, denn Fußball ist zu 90 Prozent Emotion, bei Fortuna wohl zu 120 Prozent - wie auch die immer wieder aufflammenden Diskussionen über einen Umzug zum Flinger Broich zeigen. Das wäre Unsinn. Düsseldorf hat eine der drei modernsten Arenen Deutschlands. Damit sind wir aber auch wieder bei einer alten Leier: Es fehlt die Unterstützung der Düsseldorfer Unternehmen für Fortuna.

Der Klub hat bei der heimischen Wirtschaft verspielt.

Marbach: Seit sechs Jahren ist der Verein absolut skandalfrei. Auf was will man warten? Man sagt, Geld schießt keine Tore, aber natürlich ist am Gegenteil dieses Satzes doch etwas dran.

Zurück zur LTU: Air Berlin-Boss Achim Hunold will die Langstrecke der LTU verkaufen. Ihnen hat die Fluggesellschaft mit Hans-Rudolf Wöhrl schon einmal gehört. Hat Hunold schon bei Ihnen angerufen?

Marbach: Nein, das hat er noch nicht getan, dafür rief am Freitag ein Pilot an und fragte mich, ob das nicht was für uns wäre.

Und: Würden Sie verhandeln?

Marbach: Wenn man auf mich zukäme, würde ich mich mit dem Thema beschäftigen. Aber es gibt schönere Dinge im Leben. Als ich zur LTU kam, wurde ich als großer Retter gefeiert - das war Quatsch, da gab es gerade den 11.9.. Nach sieben Jahren war ich der große Buhmann, alles war falsch. Ob ich diese Gemütsschwankungen noch einmal brauche, bleibt abzuwarten.