Internationales Straßenfest: Der Trödel-Himmel liegt in Flingern

Internationales Straßenfest: Der Trödel-Himmel liegt in Flingern

Das Straßenfest in Flingern ist besonders — vor allem durch seinen Trödelmarkt. Und die Menschen, die dort kaufen und verkaufen.

Düsseldorf. „Wow“, mag wohl mancher Trödel-Fan gedacht haben, der erstmals den Kult-Markt im Rahmen des 40. Internationalen Straßenfestes in Flingern besucht hat. Dieser sucht tatsächlich seinesgleichen. Es sind das Flair, die entspannten Menschen, die nicht alltägliche Auswahl an Trödel und Second-Hand-Klamotten, die diesen Flohmarkt bemerkenswert machen. Aber auch die Besucher tragen zu der ganz besonderen Atmosphäre dieses Trödel-Festes bei. Die Straßen werden zu Open-Air-Umkleidekabinen, Röcke kurzerhand über Hosen gezogen. Ein paar Meter weiter ist die Straßen-Party in vollem Gange: Wer mag, kann zum Sound der Band „Fischgesichter“ abrocken, im nächsten Innenhof World Music und leckere Häppchen genießen. Oder zu feinstem Elektro-House, den ein DJ in einer Garage aufdreht, einen Caipirinha oder Mojito schlürfen.

Anbieter neuerwertiger Waren, wie bei vielen Trödelmärkten üblich, sieht man hier nicht. Privattrödler, aber auch Anwohner sind es, die hier eine kunterbunte Mischung anbieten. Echt lederne College-Herrenschuhe einer italienischen Marke hat ein Trödler aus seinem heimischen Schuhschrank „ausgemistet“. Zehn Euro sind die schicken Treter einem Interessenten aber nicht wert. „Ich wollte Luft schaffen, Minimalismus ist meine Maxime,“ verrät deren Besitzer, ein Senior, der sich diesen „schönen Markt“ als Privattrödler auf keinen Fall entgehen lassen wollte. „Sie entlasten sich und wir holen uns neuen Trödel ins Haus“, lacht eine Besucherin.

Nicht zuletzt sind auch viele Besucher dieses Trödelmarktes der Beweis: Dieser Markt steht auch bei den Trödelkennern auf der Favoritenliste. Nicht wenige sehen selber so aus, als wären sie dem Schaufenster eines angesagten Second Hand-Ladens entstiegen. Etwa eine Mittvierzigerin in knallorangefarbener Retro-Jacke, die begeistert mit anderen Besuchern an einem Wühltisch an auf Tauchstation gegangen ist. „Ich gehe viel auf Flohmärkte“, verrät die Düsseldorferin, „und diesen lasse ich mir nicht entgehen!“.

Geschulte Trödelaugen können auf diesem Markt so manche Rarität und Kuriosität entdecken: So etwa einen orangefarbenen Retro-Aschenbecher aus den Siebzigern oder eine stahlbehelmte Tischleuchte von Marion Ewe, Aber auch manch spannende Geschichte zu den Waren lässt sich erfahren. „Für diese Stiefel habe ich als junge Frau in Ungarn 20 000 Forint bezahlt, das war mein ganzer Monatslohn“, verrät Trödlerin Anita Czira aus Neuss. Sie ist seit gut sieben Jahren jedes Jahr hier. „Das waren umgerechnet so um die 80 Euro, aber ich musste bis zum Monatsende warten, bis ich mir die Stiefel kaufen konnte“, erzählt Anita. Nun möchte sie sich von der extravaganten Fußbekleidung trennen. „Viele Sachen nehmen viel Energie mit, daher muss man sich auch von Dingen trennen“, weiß sie zu erzählen. 15 Euro möchte sie für die kultigen Lederstiefel im Seventies-Look und Kamelfell-Besatz haben.

Schlappe 100 Euro wiederum möchte ein Trödler für einen Holzpapagei haben, der auf einer ebenfalls hölzernen Stange thront. Bei dem Arrangement ist der Lack im wahrsten Sinne schon mehr als reichlich ab. Die Farbe ist unzähligen Stellen abgeblättert. Was hat es mit dem teuren Schätzchen auf sich? „Ich möchte so viel dafür haben, weil das Teil für mich eine besondere Bedeutung hat und ich mich schwer davon trennen kann“, verrät sein Besitzer, der sich gerade eine Leckerei von einem der Stände munden lässt, grinsend. Aha. Ob das hölzerne Federvieh für diesen stolzen Preis einen neuen Liebhaber gefunden hat, haben wir nicht mehr erfahren. Aber möglich ist ja grundsätzlich vieles — vor allen Dingen hier in Flingern.

Mehr von Westdeutsche Zeitung