Düsseldorf: Initiative: „Alle Gasleuchten sollen bleiben“

Düsseldorf: Initiative: „Alle Gasleuchten sollen bleiben“

Eine neue „Initiative Düsseldorfer Gaslicht“ führt wirtschaftliche Gründe gegen die Umrüstung der alten Laternen an.

Düsseldorf. Am 10. Dezember will der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss für die Erhaltungsgebiete der Gaslaternen fassen. Es geht um den Erhalt von 4000 der 17 000 Gaslaternen. Zuvor treffen sich alle zehn Bezirksvertretungen und die Ratsvertreter am 9. November im Henkel-Saal, um den Grundsatzbeschluss vorzubereiten. Im Frühjahr geht es dann ums Detail, um Denkmalschutz, Sicherheit, Energie-Effizienz und zugleich um die Einbeziehung der Bezirksvertretungen.

Hier hakt die neue „Initiative Düsseldorfer Gaslicht“ nach. Sie fürchtet, dass man die Bürger vor vollendete Tatsachen setzen will. Ihr Sprecher Lutz Cleffmann meint stattdessen im WZ-Gespräch: „Es geht hier nicht um romantische Gefühle beim Gaslicht, sondern um wirtschaftliche. Eigentlich müssten alle Leuchten stehenbleiben.“

Eine Hand voll Juristen, Vertreter der Kommunikations-Branche und Christiane Oxenfort trafen sich Freitag im Foyer des Kom(m)ödchens. Nachdem Oxenfort doch noch die vermeintliche „Kälte der neuen Stromleuchten“ gegen die alten Gasleuchten ausspielte und das Gaslicht mit einer „Herzenswärme“ verglich, hatten die Praktiker das Wort.

Die neue Bewegung will nicht nur die Argumente von 2009 wiederholen, als „Pro Gaslicht“ unter Georg Schumacher sogar Gabriele Henkel mit ins Boot nahm, um fürs gefühlige Licht der damaligen Gaslicht-Initiative zu werben. Sie reagiert auf die fulminante Online-Petition des FDP-Ratsherrn Rainer Matheisen, bei der 10 000 Unterschriften für den Erhalt von Gaslicht zusammenkamen. Hier setzt Cleffmann an. Man müsse erst eine öffentliche Meinung schaffen, bevor man Entscheidungen fälle. Außerdem liefert er neue Argumente: „Es geht nicht um romantische, sondern finanzielle Gründe.“

Dazu liefert er ein neues Zahlenmaterial: „Die Stadt geht von 4000 Euro pro Abriss und Neubau einer Laterne aus, so dass sich das neue Licht in 200 Jahren amortisiert hätte.“ Dem setzt er ein aktuell abgerechnetes Projekt aus Lohausen entgegen. Dort wurde ein Prototyp in einem Modellversuch umgerüstet, und bei den Anliegerbeträgen sei man von über 10 000 Euro pro Lichtpunkt ausgegangen. Die LED-Beleuchtung würde sich damit erst am Sankt Nimmerleinstag rentieren.“

Hier korrigiert allerdings Dezernent Stephan Keller: In Lohausen habe es sich um einen besonderen Versuch gehandelt. Und die Initiative dürfe bei der Umrüstung von Gas- auf LED-Licht die Reparatur einer alten Leuchte nicht vergessen. Die Reparatur koste schließlich auch 2500 Euro.

Dennoch bleibt die Initiative beim Vorwurf hoher Kosten. Hartmut Bösch: „Die Stadt soll das Geld in den Ausbau von Wasserkraft, Windenergie oder Biogas-Anlagen investieren. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Sorgen ist die Investition in LED-Licht nicht vertretbar.“

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