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In Düsseldorf wird das Wasser nie knapp

In Düsseldorf wird das Wasser nie knapp

Ein Großteil unseres Trinkwassers kommt aus dem Rhein — Niedrigwasser ist aber kein Problem. Ein Besuch im Wasserwerk.

Düsseldorf. Wie kommt unser Trinkwasser eigentlich in den Wasserhahn? Wer sich diese Frage schon einmal gestellt haben sollte, der ist bei Matthias Rammler genau richtig aufgehoben. Der Leiter der Wassertechnik im Wasserwerk Flehe bietet zusammen mit den Stadtwerken während der Sommerferien Führungen durch die Anlage an. So auch am vergangenen Freitagnachmittag.

Es ist einer der heißesten Tage der Woche. 36 Grad zeigt das Thermometer an, die Luft ist durch die sengende Sonne aufgeheizt. Rammler führt die 30-köpfige Gruppe auf eine Wiese mit Blick auf den Rhein, der merklich zurückgegangen ist. Sorgen müsse man sich deswegen aber nicht machen, sagt Rammler: „Im Vergleich zum Jahr 2003 ist die Lage noch sehr entspannt. Damals lag der Pegelstand bei 70 Zentimeter, aktuell sind wir bei 103.“ Selbst wenn der Fluss austrocknen würde, wäre das noch lange kein Grund, für Panik, versichert der Ingenieur.

Der Grund dafür liegt an den bis zu 30 Meter dicken Kies- und Sandschichten unter der Mittelsohle des Rheins. Dort werde so viel Wasser gespeichert, dass man problemlos damit auskomme. Immerhin rund drei Viertel versickertes Rheinwasser werden für die Wasseraufbereitung verwendet. Der Rest wird aus Grundwasser bezogen, das von den Brunnen der Stadtwerke gefördert wird.

Als nächstes geht es in ein Gebäude ganz in der Nähe der Wiese. Pumpwerk 5 steht über der Eingangstür. Es ist eines von insgesamt drei Pumpwerken auf dem Gelände. Im Foyer ist es ein wenig kühler als draußen; das Röhren von Maschinen ist zu hören, auf der rechten Seite reihen sich Schaltanlagen nebeneinander. Rammler geht zu einem Telefon, das am anderen Ende des Raums hängt. „Wenn jemand das Gebäude betritt, wird ein Kollege durch ein Signal automatisch davon in Kenntnis gesetzt, deswegen rufe ich ihn an, um Entwarnung zu geben.“

Er deutet auf eine Treppe, die hinunter in die Tiefe führt. Schritt für Schritt sinkt spürbar die Temperatur. Ein Großteil der Gruppe atmet erleichtert auf. Eine Etage tiefer versammeln sich alle Teilnehmer um ein Guckloch im Boden. „Hier hat man als einziges die Möglichkeit, Wasser im Wasserwerk zu sehen“, sagt Rammler lächelnd. Es ist nicht viel, was man durch das Glas erkennt, doch in einer Ecke des Loches schimmert es. „Da befindet sich das Sammelbecken, in dem das Rohwasser gesammelt wird.“

Das Geheimnis, wie das Wasser dorthin gelangt, befindet sich einige Meter weiter unten: das sogenannte Heberrohr. Ein riesengroßes Rohr, das das Rohwasser durch Unterdruck aus dem Untergrund ansaugt und anschließend zum Sammelbecken führt.

Wieder oben angelangt, geht es in Richtung Wasseraufbereitungsanlage weiter. Dort angekommen ist erneut ein lautes, mechanisches Brummen zu hören. Es sind die sogenannten Netzpumpen, die mit einer Kraft von 130 Kilowatt 750 Kubikmeter Wasser pro Minute zu den Filtern leiten. Die Motoren arbeiten so laut, dass manche zu Ohrenstöpseln greifen müssen, ehe sie sich die Pumpen näher ansehen können.

Nachdem die Geräuschkulisse im nächsten Raum ein wenig abnimmt, nutzt Rammler die Gelegenheit, um das Düsseldorfer Verfahren zu erklären: „Es wurde Mitte der 50er Jahre entwickelt, um die natürliche Filtration des Rheins bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Dabei wird in der Anlage Rohwasser mit Ozon versetzt, wodurch Geruchs- und Geschmacksstoffe gefiltert werden. Das Wasser wird dadurch gereinigt und desinfiziert.“ Anschließend wird das Wasser durch zwei Schichten von Aktivkohle gepumpt, um es von restlichen Partikeln wie beispielsweise Chlorverbindungen zu trennen. Heraus kommt das Trinkwasser, das wir alle in unseren Haushalten benutzen.

Bis zu 155 Millionen Liter Wasser täglich werden auf diese Weise in Flehe sowie in den beiden anderen Wasserwerken in Holthausen und am Staad aufbereitet, um rund 700 000 Menschen in Düsseldorf, Mettmann und Teilen Erkraths mit Trinkwasser zu versorgen.