In Düsseldorf sollen nun auch Wald- und Grünflächen bebaut werden

Regionalplan für Düsseldorf : Düsseldorfer CDU schlägt Alarm: Die Stadt darf nicht zubetoniert werden

Im neuen Regionalplan der Bezirksregierung werden Freiflächen am Grafenberger Wald, in Hamm, Knittkuhl oder Kalkum für noch mehr neue Wohnbebauung ausgewiesen. Nun hängt alles von der Haltung der Stadt ab.

„Wahnsinn“, „Schocker“, „Anschlag auf die Lebensqualität“, „ökologischer Irrsinn“: Der Blick in den neuen Regionalplan der Bezirksregierung hat die CDU im Rathaus in höchste Alarmbereitschaft versetzt: „Wenn das umgesetzt wird, verlieren ganze Stadtteile ihren Charakter und Düsseldorf seinen Ruf als schöne Stadt“, sagt Fraktionschef Rüdiger Gutt. Tatsächlich wird im Regionalplan Druck in Richtung Düsseldorf aufgebaut, deutlich mehr Flächen für Wohnbebauung auszuweien als schon geschehen. Denn die Bezirksregierung geht von etwa 58 000 zusätzlichen Einwohnern bis 2030 aus, und um diese Nachfrage nach Wohnraum halbwegs zu decken, werden im Regionalplan eine Reihe ganz konkreter Freiflächen verplant.

Und die haben es in sich, da dürfte der Aufschrei der CDU auf offene Ohren in der Bevölkerung stoßen. Beispiel Grafenberg: Gut zehn Hektar zwischen Staufenplatz und Fahneburgstraße sollen als Bauflächen ausgewiesen werden, dazu gehört auch ein Streifen Wald entlang der Poensgen-Allee, dazu gehören der Rochusclub, die Sportanlagen vom Düsseldorfer Turn-, vom Polizei-Sport-Verein sowie ein Bürgerpark: „Da sollen hunderte Bäume abgeholzt werden und das verkauft der Regionalplan auch noch als ökologisch verträglich“, wettert CDU-Ratsfrau Angelika Penack-Bielor. Ähnlich im Linksrheinischen, wo Bezirksbürgermeister Rolf Tups auf die Barrikaden geht. Denn da sind 3,5 Hektar rund ums neue Schwimmbad an der Pariser Straße (plus Sportplatz für den CfR Links) und der Park am Krankenhaus verplant. Tups: „Entweder arbeitet die Bezirksregierung mit Plänen von 1960. Oder sie erwartet, dass wir das Bad gleich wieder abreißen.“

In Knittkuhl soll eine komplette neue Kleinstadt auf der grünen Wiese entstehen

Die mit Abstand größten Grünflächen sollen aber in Knittkuhl verschwinden: 60 Hektar, das sind 85 Fußballfelder, oder wie es Alexander Fils ausdrückt: „Eine neue Kleinstadt will man da zusätzlich zum Kasernengelände bebauen.“ Das sei in jeder Hinsicht überdimensioniert, zumal eine entsprechende Verkehrsanbindung fehle. Zudem würden dort wichtige Frischluftschneisen zerstört. Ebenfalls Nein sagt die CDU zu Flächen-Umwidmungen in Kalkum (10,5 Hektar) auf der Wiese und in Hamm (21,5 ha) auf Ackerflächen, auch, weil Düsseldorf seine bäuerliche Nahversorgung mit Obst und Gemüse nicht aufgeben dürfe.

Klar ist: Das alles sind noch Wünsche der Bezirksregierung, über die im Regionalrat bis Juni abgestimmt wird. Die Planungshoheit aber liegt bei der Stadt, sie hat das letzte Wort. Dass es im Stadtrat, erst recht vor einer Kommunalwahl, eine Mehrheit für so ausgreifende Bauflächen gibt, ist kaum zu erwarten, zumal auch Grüne und FDP da gewiss nicht mitspielen. Gutt warnt trotzdem: „Dieser Regionalplan basiert auch auf Gesprächen von Bezirksregierung und Stadt. Deshalb erwarten wir jetzt eine klare Ansage von OB Geisel, der ja gerne das Motto bauen, bauen, bauen propagiert.“

Zuletzt hatte Geisel indes betont, zum Grundprinzip „Innenverdichtung vor Außenzersiedelung“ zu stehen und den Natur- und Landschaftsschutz zu beachten.

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