In Düsseldorf sind viele Arbeitnehmer im Billiglohnsektor beschäftigt

Arbeitsmarkt : Viele Niedriglöhne und Minijobs

Laut DGB verdienen 36 863 in Vollzeit keine 10,80 Euro pro Stunde.

Obwohl die Lage auf dem Arbeitsmarkt in Düsseldorf weiterhin sehr gut ist und die Wirtschaft immer schriller ihren Fachkräftemangel beklagt, sind viele Arbeitnehmer im Billiglohnsektor beschäftigt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) spricht von 36 863 Menschen, die in Düsseldorf unter der aktuell  geltenden Niedriglohnschwelle von 10,80 Euro (also weniger als Zwei-Drittel des mittleren Stundenlohns in Deutschland) liegen.

„Das sind 12,8 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten“, sagt die Düsseldorfer DGB-Vorsitzende Sigrid Wolf, „dagegen hilft vor allem eine Stärkung der Tarifbindung.“ Denn gerade in den typischen Niedriglohnbranchen wie Reinigung, Tourismus oder Gastronomie werde nur „extrem selten“ nach Tarif bezahlt.

Das größte Folgeproblem von Niedriglöhnen ist eine kleine Rente – und somit oft Armut im Alter. Denn um zumindest über 814 Euro im Monat zu beziehen (das ist der durchschnittliche Bedarf von Empfängern von Grundsicherung im Alter),  wäre bei einer 38,5-Stunden-Woche und 45 Jahren versicherungspflichtiger Beschäftigung aktuell rechnerisch ein Stundenlohn von 12,80 Euro erforderlich – das hat die Bundesregierung 2019  im Bundestag mitgeteilt.

Das vom DGB benannte Problem deckt sich in Teilen mit dem jüngsten Sozialmonitoring-Bericht der Stadt. Danach nimmt die Armut im Alter seit Jahren zu. Ende 2017 bezogen danach 9190 Düsseldorfer Grundsicherungsleistung im Alter, 2012 waren es gut 20 Prozent weniger. Ebenfalls angestiegen ist die Zahl der Grundsicherungsbezieher bei Erwerbsminderung, von 2682 (2012) auf 3308 (Ende 2017).

Des weiteren warnt der DGB, dass immer mehr Düsseldorfer Mini-Jobs, oft als Nebentätigkeit, annehmen, weil sie sonst finanziell nicht über die Runden kommen. Aktuell gebe es laut Agentur für Arbeit gut 73 000 Mini-Jobber in der Stadt (21 Prozent mehr als noch 2012), 58 Prozent davon sind Frauen. Immerhin haben fast 28 000 davon einen Berufs- und 7000 einen akademischen Abschluss. Wolf: „47,5 Prozent der Minijobber sind Fachkräfte, es gibt also ein riesiges Potenzial um den Fachkräftemangel in manchen Branchen aufzufangen.“

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