In Düsseldorf führt eine App durchs Museum

Kultur : Eine App führt durchs Museum

Studentinnen der Heine-Uni haben neue Touren entwickelt. Die sind kostenlos auf dem Smartphone abrufbar.

Das Museum Kunstpalast mal unter einem ganz speziellen Blickwinkel erleben — das ermöglichen drei neue Touren, die Studentinnen der Kunstgeschichte an der Heinrich-Heine-Universität entwickelt haben. Denn das Museum ist groß, sich zurechtzufinden kann für Laien schwierig werden. Die Touren lassen sich ganz einfach über die Historia-App der Uni auf das Smartphone laden — kostenlos.

Die Historia-App gibt es schon seit Sommer 2017. Ursprünglich war sie für Stadtführungen geplant. Blaue Punkte auf einem Stadtplan markieren markante Orte und geben Infos dazu — ein roter Punkt zeigt den Start eines Rundgangs zu einem bestimmten Thema. Nun sind noch schwarze Ortsmarken dazugekommen, mit denen sich die Führungen durchs Museum finden lassen. Für diese musste in der App eine ganz neue Funktion eingespielt werden — denn Ortung und Führung durch eine Karte funktionieren hier nicht.

Mit den neuen Touren wird der Nutzer mit Fotos durch das Museum geführt — an Markierungen findet er entweder Hinweise, wohin er sich weiter bewegen soll, oder Informationen zu bestimmten Exponaten. „Man sieht den Raum und das Bild, auf das man zulaufen soll. So kann man sich einfach zurecht finden“, sagt Jan Niko Kirschbaum, der von Anfang an an der Konzeption der App beteiligt war.

Drei neue Touren haben die Studentinnen des Studiengangs Kunstvermittlung und Kulturmanagement entwickelt, wissenschaftlich erforscht und für den Museumsbesucher zugänglich gemacht. Frauke Maria Petry hat sich mit „Frauen und die Kunst“ befasst. „Ich erkläre bei den ausgesuchten Werken die Geschichten, die man dazu kennt und nehme dann einen feministischen Blickwinkel ein“, sagt Petry. Es geht darum, welches Frauenbild zum Teil auch durch die Kunst aufrecht erhalten wurde — und auch um die nicht wirklich gleichmäßige Aufteilung von Künstlern und Künstlerinnen, die Einzug in die Museen finden. „Hier gibt es gerade einmal vier Künstlerinnen, die ausgestellt werden“, sagt Petry. Dabei seien die abgebildeten Personen sehr oft weiblich — gerade bei der Aktmalerei. In Zusammenhang mit der Metoo-Debatte und Gleichberechtigung im Allgemeinen für Petry eine interessante Perspektive.

Julia Nückels Führung befasst sich mit Düsseldorf als Kunststadt. Denn als solche hat sich die Stadt schon seit etwa 300 Jahren einen Namen gemacht. Und die Entwicklung lässt sich an den Werken im Kunstpalast gut ablesen. Für Nückel war es eine besondere Herausforderung, die Tour zu organisieren. „Ich fand es sinnvoll, chronologisch vorzugehen. Das bedeutet aber zum Teil, dass man von einem Punkt zum nächsten ein Stück gehen muss“, sagt sie. Auch die Hintergründe, die sie wissenschaftlich erforscht hat, kurz und prägnant in Worte zu fassen, fand sie nicht immer einfach.

Das Problem mit den langen Wegen hatte Janina Lang bei ihrer Tour nicht. Sie befasst sich mit „Kunst im Nationalsozialismus“ und die Werke hierfür hängen alle in einem Raum. Die Idee dazu kam, weil sie sich schon bei einem anderen Projekt mit „Entarteter Kunst“ beschäftigt hat. „Die kommt auch in dieser Führung vor — aber auch, was für die Nationalsozialisten denn nun gute Kunst war“, erklärt die Studentin. Diesen Gegensatz könne man bei der Führung gut erfassen.

Die Kooperation für Projekte zwischen der Uni und dem Museum Kunstpalast besteht seit etwa zehn Jahren. Gerade wenn es um neue Medien geht, können beide gut davon profitieren, findet Steffen Krautzig von der Abteilung für Kulturelle Bildung und Pädagogik am Museum: „Die Studierenden haben oft einen ganz neuen, anderen Blick auf die Sammlung. Gleichzeitig gewinnen sie auch Praxiserfahrung und sehen, was es bei zum Beispiel für Hindernisse bei der Kunstvermittlung kann.“ Er hofft, dass die App auch in Zukunft weiter von den Studierenden bestückt und erneuert wird.

Die App kann für Apple- und Android-Geräte kostenlos heruntergeladen werden. Auch die Touren werden vorab auf dem Smartphone gespeichert. Es empfiehlt sich, dies schon von zu Hause zu tun — für das Abrufen im Museum ist dann keine Internetverbindung mehr notwendig.

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