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Immer mehr Düsseldorfer brauchen einen Nebenjob

Immer mehr Düsseldorfer brauchen einen Nebenjob

Der Trend geht in Richtung Zweitjob. Der Grund: Viele Menschen kommen mit einem Gehalt nicht mehr über die Runden.

Düsseldorf. "Samstags gehört der Papi mir!" Dieser Gewerkschafts-Slogan aus den 50er Jahren klingt wohl heutzutage für viele Menschen wie blanker Hohn. Ein geregelter Wochenablauf und ein freies Wochenende sind für viele Arbeitnehmer der reine Luxus. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, müssen viele Leute neben ihrem "normalen" Beruf noch einen oder mehrere Nebenjobs ausüben.

Auch in Düsseldorf wird der Anteil der Menschen, die nach Feierabend und am Wochenende zusätzlich jobben, größer. Nach Angaben der Arbeitsagentur waren es 2003 noch 3,64 Prozent, im Juni 2006 waren es schon mehr als 20 000 Menschen (6,24 Prozent). Im gesamten Bundesgebiet üben knapp 1,9 Millionen Menschen zwei Tätigkeiten aus.

"Der Zuwachs resultiert aus der Gesetzesänderung zu den Minijobs im Jahre 2003", erklärt Holger Meinken, Statistiker bei der Arbeitsagentur. Damals wurde die Geringfügigkeitsgrenze von 325 auf 400 Euro angehoben. Außerdem sind die Nebenjobs seitdem nicht mehr sozialversicherungspflichtig. Die meisten Nebenjobber arbeiten in der Gastronomie, im Einzelhandel und bei Reinigungsfirmen.

"Es ist schon ein Trend zum Zweitjob zu erkennen", meint Professor Gerhard Bäcker, Soziologe an der Universität Duisburg-Essen. Der Hauptgrund dafür sei schlicht und einfach das Geld. "Man muss ganz klar sehen, dass die Reallöhne in den letzten Jahren gesunken sind. Die Menschen können oft ihren Lebensunterhalt nicht mit einem Gehalt bestreiten", sagt Bäcker.

Immer häufiger seien es auch Familienväter, die einen zweiten Job annehmen müssten. "Vor allem junge Väter, bei denen die Kinder noch klein sind, gehen oftmals diesen Weg", erläutert der Soziologe.

Da bleibe nur noch wenig Zeit, um sich um Frau und Kinder zu kümmern. "Das ist familiensoziologisch schon problematisch. Auch wenn wir längst noch keine amerikanischen Verhältnisse erreicht haben." Dort und in osteuropäischen Ländern sei es fast der Normalfall, den ganzen Tag zu arbeiten.

Auch bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) beobachtet man die Entwicklung mit Sorge. "Viele Angestellte in der Gastronomie verdienen so wenig, dass sie noch in einem anderen Betrieb auf 400-Euro-Basis arbeiten. 16-Stunden-Tage für einen geringen Lohn sind da keine Seltenheit", berichtet NGG-Sekretär Axel Peters. Viele Betriebe schaffen immer weniger Vollzeitstellen. "Im Bäckerhandwerk ist das extrem. Es gibt kaum noch Bäckereifachverkäuferinnen. Die sind von 400-Euro-Jobbern verdrängt worden", sagt Peters.

Dieses Phänomen gilt laut Gerhard Bäcker für viele Branchen: "Das neue Gesetz von 2003 hat auf keinen Fall den gewünschten Effekt gehabt. Arbeitslose sind nicht in feste Anstellungen gekommen."