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Immer mehr britische Unternehmen kommen nach Düsseldorf

Brexit : Immer mehr britische Unternehmen in Düsseldorf

Obwohl sich nach dem Brexit faktisch noch nichts geändert hat, sind die Folgen schon deutlich spürbar.

Der Brexit ist zwar vollzogen, so richtig greifbar ist er allerdings immer noch nicht. Ein Handelsabkommen fehlt, das laufende Jahr wird zur Übergangsphase. Einerseits. Andererseits hat der sich seit dem Referendum im Jahr 2016 abzeichnende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sehr wohl schon Folgen für Düsseldorf gehabt. Vor allem ist die Zahl britischer Unternehmen enorm gestiegen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Brexit aus lokaler Perspektive.

Wie hat sich die Zahl britischer Unternehmen verändert? Die Industrie- und Handelskammer zählte Ende vergangenen Jahres 451 britische Unternehmen (oder mit britischer Kapitalbeteiligung). 2016 waren es noch 365. Hinzu kommt, dass die Zahl der dieser Unternehmen in den drei Jahren vor dem Referendum deutlich sank.

Warum kommen mehr britische Unternehmen? Laut IHK-Sprecher Tobias Havers ist es für viele „wichtiger denn je, ein Standbein auf dem europäischen Kontinent zu haben“. Düsseldorf biete hierfür ausgezeichnete Standortbedingungen, eine gute Anbindung, ein internationales Umfeld und eine breit aufgestellte, international ausgerichtete Infrastruktur mit Schulen, Kultureinrichtungen, Netzwerken uns so weiter. Die städtische Wirtschaftsförderung betont zudem die im Vergleich europäischer Metropolen geringen Standortkosten bei hoher Lebensqualität.

Was sind das für Unternehmen? Ein Schwerpunktsektor ist laut Wirtschaftsförderung „unternehmensnahe Dienstleistungen einschließlich Finanzdienstleistungen und Vertrieb/Distribution“. Neu ist etwa „Euromonitor International“, ein Spezialist auf dem Gebiet der strategischen Marktanalyse mit Hauptsitz in London.

Die Wirtschaftsförderung sagt außerdem: „Da Düsseldorf sich in besonderem Maße als Wachstumsstandort für innovative Tech-Start-ups aus UK anbietet, liegt ein besonderer Akquisitionsschwerpunkt der Wirtschaftsförderung auf diesem Feld.“

Weitere Neulinge sind JSP, Ebury, SBD Automotive, Engine Group. Zu den bekanntesten Arbeitgebern zählen etwa HSBC, BBDO, Barbour und Burberry, die schon länger in der Landeshauptstadt ansässig sind.

Welche Unternehmen trifft der Brexit besonders? Hier geht es längst nicht nur um britische Unternehmen, sondern um die, die intensive Wirtschaftsbeziehungen mit Großbritannien pflegen und im- oder exportieren. Etwa 1000 Unternehmen sind das in Düsseldorf. „Neben britischen sind das auch viele japanische und chinesische Unternehmen, die entweder von Düsseldorf aus ihr komplettes Europa-Geschäft organisieren oder deren Europa-Zentrale (noch) in UK ist“, sagt Tobias Havers, Sprecher der IHK.

Besonders betroffene Branchen sind etwa Kfz- und Kfz-Teile, Maschinen, Chemie und Pharmazie. In diesen Bereichen hat es auch schon jetzt starke Handelseinbrüche gegeben. In ganz NRW sind allein die Exporte nach Großbritannien im vergangenen Jahr um etwa zwölf Prozent gesunken.

Welche Konsequenzen ergeben sich für  die Briten in Düsseldorf? Der Brexit heißt für diese Gruppe von 2900 Menschen, dass sie nach der Übergangsphase einen Aufenthaltstitel oder anderen Nachweis über das Aufenthaltsrecht benötigt. Der kann jetzt schon online beantragt werden:

duesseldorf.de/amt-fuer-migration-und-integration/brexit.html

Worauf stellt sich der Zoll ein? Dort bereitet sich eine Arbeitsgruppe darauf vor, dass der Warenverkehr mit Großbritannien künftig zollrechtlich wie mit anderen Nicht-EU-Ländern abzufertigen ist. Das heißt: „Es ist mit einem erhöhten Abfertigungs- und Kontrollaufwand zu rechnen“, wie Pressesprecher Stefan Py sagt. Besonders betroffen könne da auch der Düsseldorfer Flughafen sowie die Stelle in Reisholz sein. Bundesweit existiert beim Zoll bereits ein Notfallplan, worin etwa Zuweisungen von zusätzlichem Personal geregelt sind. Es sollen zudem generell mehr Mitarbeiter eingestellt und ausgebildet werden.

Was erwartet ein Düsseldorfer Logistiker? Veränderungen beim Zoll hätten auch Auswirkungen für Michael te Heesen, Geschäftsführer der ABC-Logistik GmbH. Verzollen, Wartezeiten, das Ausfüllen von Papieren würden Produkte deutlich teurer machen. Und für einen ABC-Kunden aus Dover in England werde sich der Export von Schulmöbeln möglicherweise nicht mehr lohnen. „Wir rechnen deshalb mit einem niedrigeren Transportvolumen bei Ex- und Importen.“ Positiv aufs Geschäft auswirken könnte sich jedoch, wenn mehr britischen Unternehmen ein Standbein in der Region etablieren und dort die komplette Logistik übernommen werden könnte. „Erste Interessenten gibt es da bereits“, sagt Te Heesen.