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Illegales Roma-Camp in Düsseldorf-Oberbilk: Stadt rodet Fläche hinter dem Amtsgericht

Obdachlose in Düsseldorf : Stadt lässt das Roma-Camp räumen

Auf dem Gelände hinter dem Amtsgericht lebten bis zuletzt Menschen aus Rumänien, in Zelten und selbst gebauten Hütten. Eine Gruppe konnte in einer Unterkunft untergebracht werden, 26 ziehen am Montag um.

Ein großer Teil des Areals hinter dem Amtsgericht in Oberbilk, auf dem seit Jahren Menschen in kleinen, illegalen Camps leben, soll ab Montag gerodet werden. Auf einer Fläche so groß wie dreieinhalb Fußballfelder werden wild gewachsene Sträucher und Gestrüpp entfernt und Müll eingesammelt. Ein „Dorf“, so nennen die Bewohner ihre Lager, wurde bereits informiert.

Acht Menschen aus Rumänien wurden vom Amt für Migration und Integration in Zusammenarbeit mit den Sozialarbeitern von Fiftyfifty in einer städtischen Unterkunft untergebracht. Dort steht der Familiengemeinschaft, deren Mitglieder zwischen 18 und 50 Jahre alt sind, ein Wohnmodul zur Verfügung, das möbliert ist. Diese Unterkunft können die acht Roma als ihre Meldeadresse nutzen. In Zukunft werden sie vom Sozialdienst der Diakonie unterstützt, heißt es von der Stadt.

So reibungslos lief es aber nicht immer ab hinter dem Amtsgericht. Vor zwei Jahren wurde das Areal von Bundespolizei und Deutscher Bahn geräumt, die selbst gebauten Hütten wurden abgerissen, bevor die Bewohner ihre Habseligkeiten retten konnten. Fiftyfifty kritisierte dieses Vorgehen und betont, auch diesmal ein Auge auf die Räumungsarbeiten zu haben. Denn die acht Rumänen, die die Stadt bereits zum Umzug bewegen konnte, sind nicht die einzigen, die an den Bahngleisen leben.

„Zu ihnen hatten wir immer guten Kontakt“, sagt Johannes Dörrenbächer von Fiftyfifty. Er weiß aber auch, dass es noch zwei weitere Dörfer gibt, eines mit zehn Bewohnern, eines mit 16. Zur Zehner-Gruppe konnte die Obdachlosenhilfe jetzt einen Kontakt herstellen, „sie will zusammenbleiben und die Hunde nicht abgeben“, sagt Dörrenbächer, mit der 16er-Gruppe habe es noch keine Gespräche gegeben.

„Wir werden vor Montag noch mal in die Camps gehen und die Bewohner informieren, damit sie vorgewarnt sind“, sagt Johannes Dörrenbächer, der aber froh ist, dass die jetzige Rodung der Fläche angekündigt wurde, „wenn man bedenkt, wie es vor zwei Jahren ablief“.

Mit einer Umsiedlung sei das Problem aber noch lange nicht gelöst, die Menschen blieben weiterhin arm, und eine Unterkunft für so viele Obdachlose samt ihrer Hunde zu finden, sei auch nicht leicht.

Anwohner der Schöffenhöfe beschwerten sich über den Müll

Eine weitere Duldung der Camps kam offenbar aus verschiedenen Gründen nicht mehr infrage: Nicht zuletzt waren es die Anwohner der neu gebauten Schöffenhöfe, die sich über den vielen Müll vor ihren Türen beschwerten und über die Hinterlassenschaften der Obdachlosen, die nicht selten in unmittelbarer Nähe der Häuser gefunden wurden. Außerdem kam es nachts zu Streitereien, Schreie drangen immer wieder aus den Camps, Hunde streiften durch die Wohnsiedlungen, in den kälteren Monaten wurden Feuer angezündet, die stark rauchten.

Im Spätsommer versuchte Oliver Ongaro von Fiftyfifty zwischen den Oberbilker Anwohnern und einigen Rumänen zu vermitteln. Ein paar Anwohner besuchten ein Dorf und sprachen mit jenen Roma, die die Stadt nun in einem Wohnmodul untergebracht hat. Die Schicksale der Menschen rührten die Nachbarn von der anderen Seite der Gleise, vor allem das der 20-jährigen Alina, die noch minderjährig war, als sie in die Holzbaracke hinter dem Amtsgericht zog.

Fifityfifty wird die Arbeiten beobachten, sie sollen voraussichtlich zwei Wochen dauern. Die Kosten für die Rodung der Fläche belaufen sich auf rund 60 000 Euro. Der Bahnverkehr ist von den Rodungen nicht ­betroffen.