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IHK: Kita muss nicht gratis sein

IHK: Kita muss nicht gratis sein

Sparkurs: Viele Firmen sind unsicher. IHK-Chef Ulrich Lehner fordert die Politiker auf, auch im Wahlkampf über Sparmaßnahmen zu diskutieren.

Düsseldorf. Für Ulrich Lehner war es kein besonderer Satz. "Natürlich sollte man darüber diskutieren, ob im Herbst tatsächlich die Kindergartenbeiträge abgeschafft werden." Angesichts der Finanzkrise, die nun auch die Landeshauptstadt mit mindestens 400 Millionen Euro Mindereinnahmen in diesem und im nächsten Jahr trifft, solle die Stadt "Augenmaß behalten", stolz sein auf das Erreichte und Vernunft walten lassen.

Wie bei einem Studienplatz hält Lehner es für richtig, wenn "mindestens ein Anerkennungsgeld gezahlt wird". Die Erwartungshaltung sei groß, viele meinten, öffentliche Leistungen müssten gratis angeboten werden. "Dabei ist nichts kostenlos", stellt Lehner fest, "dass ist am Ende Ihr und mein Geld oder das der nächsten Generation."

Düsseldorf nimmt, während andere Städte in Schulden versinken und Leistungen abbauen, mit der Einführung der Gratis-Kita ab Herbst eine Vorreiterrolle ein. Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) ist aber eine neue Ehrlichkeit gefragt. "Ich wünsche mir einen Wahlkampf, bei dem sich die Parteien mit Sparbeiträgen überbieten", sagt Hauptgeschäftsführer Udo Siepmann. Lehner plädiert dafür, nicht bei Investitionen zu sparen, denn die schafften Werte für die Nachkommen, sondern bei laufenden Ausgaben. Kita-Beiträge beispielsweise finanzieren diese mit.

"Die Wirtschaftskrise wird bewältigt", meint der frühere Henkelchef Lehner - wenn man dabei den marktwirtschaftlichen Prinzipien treu bleibe und die Wettbewerbsfähigkeit stärke. Sie beruht für den IHK-Präsidenten auf Innovation und Qualität, die unmittelbar mit Qualifikation und Ausbildung zu tun haben. Die IHK ist deswegen froh, dass es aktuell sogar ein Plus von 2,4 Prozent bei den abgeschlossenen Lehrverträgen gibt. "Wir hoffen, das bleibt so bis zum Stichtag 30.Oktober", sagt Siepmann.

Die Firmen stellen Azubis ein, weil Nachwuchsprobleme absehbar sind. Denn tatsächlich sind die Zukunfterwartungen vieler Unternehmer von Unsicherheit geprägt (siehe Grafik). Bei einer Blitzumfrage unter 206 Firmen kam zudem heraus: Bei 44 Prozent hat sich die Lage seit Jahresbeginn verschlechtert, besonders pessimistisch sind Großhandel (54 %) und Industrie (46 %). Überraschend der lange gebeutelte Einzelhandel: Er hat noch den besten Konjunkturklima-Index.