Ideen im Kampf gegen Klimawandel

Ideen im Kampf gegen Klimawandel

Beim Bürgerdinner haben Redner und die Gäste an den Tischen viele kleine Ideen ausgetauscht. Wie das in der Summe wirken kann, zeigte ein Experiment.

Es ist eigentlich ganz leicht, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Es ist ziemlich schwierig, tatsächlich etwas gegen den Klimawandel zu bewirken. Diese beiden nur scheinbar widersprüchlichen Erkenntnisse standen am Ende des Bürgerdinners vom Düsseldorfer Schauspielhaus und der WZ. Drei Redner und ein Künstler beflügelten die Diskussionen während der drei Gänge, vor allem alltägliche Mittel des Klimaschutzes wurden fleißig ausgetauscht.

Martin Giehl ist als Prokurist bei den Stadtwerken verantwortlich für Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle. Er versorgte seine Zuhörer mit reichlich Ideen. Bei den Autos sei es nicht entscheidend, welchen Antrieb sie nun haben, ihre Zahl sei in Düsseldorf einfach zu hoch. Von 300 000 Pendlern nehmen laut Giehl 75 Prozent das Auto, die meisten alleine. Die Menschen müssten auf verschiedene Verkehrsmittel setzen, die möglichst klug kombiniert werden.

Mehr Effizienz und Umdenken waren auch seine Ziele bei der Betrachtung von Arbeitsplätzen. Auf den Tag und das Jahr gerechnet würden sie so wenig genutzt, dass Co-working eine viele größere Bedeutung gewinnen müssen. Und in der Logistikbranche müsse etwas dagegen getan werden, dass Einzelhändler in Düsseldorf bis zu 20 Mal am Tag beliefert werden und keine einheitliche Lösung für die letzten Kilometer zu haben.

An den Tischen wurden die Punkte in viele Richtungen weiter erörtert. Tickets für Bus und Bahn seien so teuer, dass viele Menschen nicht umsteigen, ein umlagefinanzierter Nahverkehr müsse diskutiert werden, hieß es dort. Niemand teile sein eigenes Auto gerne, daher sollte es eher ein, zwei Autos für eine Nachbarschaft geben, die dann alle, die dort wohnen, nutzen dürfen, war einer der weiteren Gedanken, ebenso wie Tipps zu Klimaabgaben beim Fliegen.

Was viele kleine Schritte bewirken, zeigte Künstler Guido Hoehne. Er legte einen großen Brocken in eine Waagschale, der den Klimawandel symbolisierte und die Schale stark nach unten drückte. Im Saal sammelte Hoehne zehn Ideen für den Klimaschutz ein und überreichte den Vorschlagenden einen kleinen Stein. Diese legten die Kiesel in die andere Waagschale — und beim zehnten setzte sich die andere Waagschale tatsächlich durch. Später zeigte Hoehne auch noch, welche Stromfresser/Energieverschwender sich im Haushalt finden lassen, wenn man sich bei der Verbraucherzentrale oder den Stadtwerken ein Strommessgerät leiht und an allen Geräten ausprobiert.

Der zweite Redner, Niklas Hoves, näherte sich dem Thema des Bürgerdinners aus einer anderen Richtung. Er verdeutlichte den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Flucht. Das Klima sei sowohl direkte Ursache als auch ein wesentlicher Grund für Kriege, die ebenfalls zu Migrationsbewegungen führten. Hoves vermisst in diesem Zusammenhang Demonstrationen und soziale Bewegungen in Deutschland. Dass jeder in dieser Hinsicht etwas tun kann, erläuterte der Aktivist an einem Beispiel. Bei Protesten in Gorleben haben er und andere Demonstranten im Camp das Paket einer älteren Dame erhalten, das voll mit selbstgestrickten Wollsocken war. Ähnlich berichtete eine Düsseldorferin, dass sie als Studentin auf die Straße gegangen sei und sich heute für bessere Radwege oder günstigere ÖPNV-Tickets engagiere. Philipp Schepelmann vom Wuppertal Institut erklärte, es brauche weniger „smart citys“ als „smart citizens“. Er stellte ein Internetportal und eine App vor, die zu diesem Ansatz in Wuppertal getestet werden. Die Gäste des Bürger—Dinners begegnetem diesem technischen Ansatz eher skeptisch, weil sie nicht erkennen konnten, wie dabei das Klima oder ihre Daten geschützt werden.

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