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Hunderte Laternen leuchten St. Martin den Weg

Hunderte Laternen leuchten St. Martin den Weg

5000 Teilnehmer zogen gestern beim Martinszug durch die Altstadt. Ein großes Familienfest für Kinder und ihre Eltern.

Die Sonne tanzt ein wenig im Wind. Gelb ist sie, ihr Kopfschmuck sind rote und grüne Federn. Charlotte (3) hält ihre Laterne fest umklammert. Ein wenig misstrauisch schaut sie auf die schaukelnde Laterne, deren Licht mal mehr, mal weniger hin und her wackelt. „Wann wird es dunkel Mama?“, fragt sie ihre Mutter. „Es dauert nicht mehr lange“, lautet die verständnisvolle Antwort. Daniela und Axel Kuhne sind heute das erste Mal mit ihren Töchtern Charlotte und Clara (18 Monate) beim Martinszug mit laut Polizeiangaben rund 5000 Teilnehmern in der Altstadt dabei. Vor dem Rathaus hören sie sich noch die Geschichte des heiligen Martin an, bevor der Zug dann um 17 Uhr an der Ratinger Straße / Ecke Ursulinengasse startet.

Die gebürtigen Düsseldorfer sind früher als Kinder mit ihren Eltern durch die engen Gassen und Straßen gezogen. Nun sind sie selbst Eltern und begleiten ihre Kinder an diesem besonderen Tag. „Es ist ein schönes Gefühl, jetzt mit meinen Kindern den Martinszug zu erleben“, sagt Axel Kuhne, während er schnell die Fledermauslaterne von Clara repariert, die hingefallen ist. Bei Charlotte muss man sich keine Sorgen machen, sie hat die Sonne fest im Griff.

Linus (12), Johann (12), Justus (12) und Niklas (13) haben auch alles im Griff. Während der Zug sich langsam in Bewegung setzt, ganz plötzlich von allen Seiten Musik erklingt, bekommen die Schüler des Ursulinen-Gymnasiums ihre Fackeln angezündet. Sie sind die Knappen des heiligen Martin (Engelbert Jäger), der neben ihnen hoch zu Ross sitzt. In Kettenhemden gehüllt leuchten sie ihm den Weg. Bereits zum zweiten Mal sind die Freunde dabei. Früher sind sie mit Laternen durch die Gassen gezogen, heute halten sie die Fackeln. „Es fühlt sich viel besser an, mit Feuer zu laufen als nur mit einer Laterne“, sagt Justus und seine Kollegen nickend bekräftigend. „Man fühlt sich irgendwie stärker“, resümiert Johann. Wieder nicken alle und lachen. „Denkt daran, euch vor dem Rathaus eine neue Fackel anzuzünden, damit es anständig aussieht!“, ruft ihnen noch eine Lehrerin hinterher, dann sind sie um die nächste Ecke verschwunden.

Es wird dunkler, während der Zug langsam durch die Straßen zieht. Hunderte Drachen, Schafe, Schiffe, Tiger, Fortunaherzen und sogar der Rheinturm: Sie alle ziehen als Laternen vorbei an den beleuchteten Geschäften, lauten Kneipen, überfüllten Restaurants. Überall bleiben Menschen stehen, machen Videos mit dem Handy, lächeln dabei.

Moritz (14) kennt das schon. Für seinen Bruder Konstantin (9) ist das alles noch Neuland. Die beiden Schüler der Clara-Schuhmann-Musikschule spielen Posaune. „Es ist schön, etwas zu tun und nicht nur mit der Laterne durch die Gegend zu laufen“, erzählt Moritz. Er muss aufpassen, sonst verpasst er seinen Einsatz. „Und außerdem verdienen wir uns so etwas Taschengeld dazu“, wirft Konstantin ein. Dann geht es weiter. Schnell die Noten umblättern und „Ich geh mit meiner Laterne“ einstimmen.

Auf dem Burgplatz knien die Knappen vor Sankt Martin und dem Bettler (Branko Alfermann) nieder. Die Mantelteilung beginnt, schnell haben sie vorher noch ihre neuen Fackel entzündet. Es soll anständig aussehen — und das tut es auch.

Moritz und Konstantin bleiben auch kurz stehen. Hier am Burgplatz spielen sie „Sankt Martin“, bevor sie langsam wieder weiterziehen.

Inmitten all der Lichter sieht man kurz eine kleine Sonne mit Federn im Wind schaukeln. Charlotte hält ihre Fackel noch immer fest umklammert. Misstrauisch schaut sie aber nicht mehr, nur noch glücklich. Dann ist die Sonne im Lichtermeer untergetaucht.