Hummerstübchen vor dem Aus: Koch Peter Nöthel ist sein Stern schnuppe

Hummerstübchen vor dem Aus: Koch Peter Nöthel ist sein Stern schnuppe

Zum Ende des Jahres schließt das Hummerstübchen — im März öffnet das „Nöthels“. Günstiger, lockerer und ohne Michelin-Sterne.

Düsseldorf. 27 Jahre ist es her, dass Koch Peter Nöthel seinen ersten Gästen Sevruga-Kaviar mit Brioche, Samtsüppchen von jungem Blattspinat und Hummer-Champagner-Ragout servierte. Das Eröffnungsmenü. Jetzt geht der Stern seines Hummerstübchens — man verzeihe das Wortspiel — unter: Der 52-Jährige will sich befreien aus dem Korsett der Spitzenküche und einfach mal wieder Spaß haben am Herd. Am 26. Dezember tischt er zum letzten Mal im Hummerstübchen auf, baut dann zwei Monate um. Im März soll das „Nöthels“ eröffnen.

Mit gerade mal 25 Jahren übernahm Nöthel seinerzeit das heruntergekommene „Fischerhaus“ in Lörick und machte es zur ersten Adresse für Hummer, den er mal auf Sesam-Chili-Krokant mit Melone und Currysoße, mal mit Trüffeln in Senfsoße kredenzt. 1988 war das Jahr, in dem der Koch seinen ersten Sohn bekam und seinen ersten Stern des Guide Michelin — er war mit 28 Jahren der jüngste Sternekoch Deutschlands. 1991 folgten Zwillinge und der zweite Stern. „Auf den dritten habe ich dann gern verzichten“, sagt Nöthel. „Ich wollte keine Drillinge!“

Inzwischen arbeiten die Zwillinge Frank und Jana — beide 21 Jahre alt — bei Papa im Hummerstübchen mit. Der zweite Michelin-Stern indes ging wieder verloren, als Nöthel im vergangenen Jahr schon einmal den Versuch wagte, ein anderes Publikum anzusprechen, und ein Vier-Gänge-Menü für 69 Euro anbot. Zwar bewertete der „Gault Millau“ ihn weiterhin als besten Koch der Stadt (mit 18 von 20 möglichen Punkten). Doch Peter Nöthel hatte endgültig einen schmerzhaften Eindruck von den Zwängen, die der ständige Kampf um Sterne mit sich bringt.

Zu starr, zu wenig flexibel für die Bedürfnisse der Gäste sei die Sternegastronomie, sagt der Koch jetzt. „Die Dogmen sprechen unseren Zeitgeist nicht mehr an“, sagt er — und meint neben sich seine Frau Sibylle. Die Gäste des neuen „Nöthels“ sollen in dem Outfit kommen, das sie mögen. Auch mal Wünsche außerhalb der Karte äußern können. „Sie sollen Bock auf das haben, was sie bei uns essen“, sagt Nöthel. „Ich will die Leichtigkeit des Kochens wieder für mich entdecken.“

Menüs wird es nicht mehr geben, dafür wohl einen Mittagstisch, vielleicht eine Terrasse. Auf jeden Fall mehr Plätze — damit es sich auch rechnet. Immerhin wird eine Zwei-Sterne-Crew für deutlich günstigere Preise kochen: Bis auf Nöthels Co-Pilot in der Küche, Peter Liesenfeld, wird die komplette Belegschaft des Hummerstübchens bleiben. Und auch die berühmte Hummersuppe. Von ihr abgesehen will sich Nöthel aber „um die ganze Welt kochen“. Dem Michelin hat er das Aus des Sternerestaurants bereits angekündigt. Was er machen soll, wenn die Tester ihm 2013 aber doch wieder einen Stern aufnötigen wollen, weiß er nicht. „Das wäre das größte Übel!“, lacht er.

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