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Hofläden: Wo Düsseldorf noch dörflich is(s)t

Hofläden: Wo Düsseldorf noch dörflich is(s)t

SERIE Wir haben uns umgeschaut, welcher Hofladen sich auf was spezialisiert hat. Dieses Mal stellen wir vor: Gärtnerei und Hofladen Wingen im Hamm.

Düsseldorf. Es gibt sie noch — die guten, alten Hofläden. „Die echten vor allem“, korrigiert Mathilde van der Wingen freundlich, aber bestimmt. Und nicht ohne Stolz sagt die 52-Jährige, die sich in „Kappeshamm“ (Kappes = Kohl) in nächster Nähe zum modernen Medienhafen auf Gemüseanbau spezialisiert hat: „Hier kommt wirklich noch das meiste aus eigenem Anbau — Kartoffeln, Salate, Kräuter, Beeren — alles ernten wir täglich frisch von unseren Feldern.“

Gut sechs Hektar Land bewirtschafte sie mit ihrer Familie rund um die Fährstraße. „Nur das Kartoffelfeld liegt auf der anderen Rheinseite — wegen des sandigen Bodens“, sagt sie. Die dreifache Mutter zieht in Gewächshäusern auf gut 5000 Quadratmetern mit ihrem Mann, Gärtner Hans-Peter van der Wingen (51), auch Blumen. „Das sind Beet- und Balkonpflanzen“, sagt der 51-Jährige, dessen Eltern den Gärtnerei-Betrieb schon 1960 eröffneten.

Heute heißt das 1971 um den Hofladen erweiterte Familienunternehmen „Gärtnerei und Hofladen van der Wingen“. Die Einfahrt am Grüneweg 8 markieren pinkfarbene Geranien auf einem eisernen Pyramiden-Gestell. Und im fast täglich geöffneten Innenhof schmücken bunte Blumenbälle die Verkaufsregale. „Das sind unsere XXL-Blumenampeln“, erklärt Mathilde van der Wingen geschäftstüchtig. „Bis zu drei verschieden farbige Sorten mischen wir in einem Topf. So üppig und rund gibt es die Blumenampeln nur bei uns.“

Als Verkaufsrenner habe sich auch der „Salat to go“ entwickelt — eine mit verschiedenen Salaten bepflanzte Schale, die nach Bedarf in kleinen Mengen abgeerntet werden kann — und durch die vorhandenen Wurzeln in der Erde auch lange haltbar ist. „Auf die Idee kam ich, als ich für Schulbrote meines Sohnes immer nur einzelne Salatblätter brauchte“, sagt Mathilde van der Wingen. Sie hatte die Blätter ein paar Tage in Folge vom Salatkopf gezupft bis dieser zerpflückt, aber weitestgehend ungenutzt im Kühlschrank schlecht wurde.

Immer frisch und gut gekühlt ist übrigens das Eis, das Tochter Viktoria van der Wingen (22) seit fast zwei Jahren in der einstigen Hofküche anbietet. Das Eismachen hat die Konditormeisterin in der Schweiz und in Österreich gelernt. Leidenschaftlich gern produziert sie auch „Viktör(t)chen“ in ihrem gleichnamigen Geschäft — das sind aufwendig dekorierte Hochzeits- und Motto-Torten zu besonderen Anlässen. Ihre Törtchen liefert Viktoria van der Wingen selbst aus — da bleibt ihre kleine Pâtisserie hin und wieder kurz geschlossen.