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Hochwasser in Düsseldorf: Mit dem Kanu über die Straße

Hochwasser in Düsseldorf: Mit dem Kanu über die Straße

Der Hochwasser-Scheitelpunkt ist wohl überschritten. Die Kasematten sind überschwemmt, der Tonhallen-Parkplatz gesperrt. Es gibt auch schöne Seiten.

Düsseldorf. Der Höchststand ist nun voraussichtlich überschritten, von Entspannung kann aber noch keine Rede sein. Nach wie vor steht der Rhein in Düsseldorf sehr hoch. 8,29 Meter betrug der Pegel am Montagmittag, für den Abend sagten die Fachleute der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes 8,32 bis 8,44 Meter voraus. Der Scheitelpunkt soll in der Nacht zu heute erreicht worden sein.

Hochwasser in Düsseldorf: Mit dem Kanu über die Straße

Nachdem bereits am Freitag die Tore am Unteren Rheinwerft zum Alten Hafen und an der Fährstraße geschlossen worden waren, ist das Untere Rheinwerft nun überschwemmt worden. Die Verkehrswacht musste daher gestern den Parkplatz am Robert-Lehr- und Tonhallenufer sperren. Zuvor hatten auch schon die Gastronomen das Gebiet geräumt. Tische, Stühle und Aufbauten wurden eingelagert. Die Kasematten stehen mittlerweile ebenfalls unter Wasser.

Rund 44 500 Sandsäcke befüllte die Feuerwehr vorsorglich. Sie liegen in einer Halle in Rath bereit. Ob sie auch tatsächlich benötigt werden, ist laut Feuerwehrsprecher Marcus Schnell aber fraglich. Einige der Säcke seien bei einem Einsatz an der Düsseldorfer Straße verwendet worden. „Ansonsten ist das aber in erster Linie eine Vorsichtsmaßnahme.“

Unter der Oberkasseler Brücke drohte schon am Sonntag eine Skateranlage durch das Wasser weggespült zu werden. Mit Hilfe eines Krans hob die Feuerwehr die drei Rampen auf den höher gelegenen Gehweg des Joseph-Beuys-Ufers. Das Amt für Verkehrsmanagement sperrte den Bereich anschließend ab.

Auch gestern zog es wieder viele Schaulustige ans Wasser. „Wohnen möchte ich hier derzeit nicht“, sagte etwa Roswitha Berndt (69) mit Blick auf die nah am Fluss gelegenen Häuser nahe der St. Nikolaus-Kirche in Himmelgeist. „Da würde ich schon nervös werden.“ Peter Pullem wohnte als Kind in der Nähe und kann sich noch an höhere Wasserstände erinnern. „Früher als kleiner Junge habe ich mit angepackt, wir haben mit Mist und Sand versucht, das Wasser aufzuhalten. Da stand es viel höher als jetzt.“

Auf der überfluteten Zufahrtsstraße zur Autofähre Zons genoss der siebenjährige Leif eine schöne Seite des Hochwassers. Gemeinsam mit seinem Vater unternahm er eine Kanutour - mitten über die Straße. Ein Riesenabenteuer für den Jungen. „So etwas habe ich noch nie gemacht“, sagte er und strahlte, bevor die beiden weiter paddelten. Eine tolle Orchideenblüte in der Urdenbacher Kämpe sagte Betram Bittner mit Blick über das Naturschutzgebiet voraus. „Der Rheinschlamm ist super für die Wiesen.“