Herkules: Schwerer Abschied vom Düsseldorfer Koloss

Herkules: Schwerer Abschied vom Düsseldorfer Koloss

Die riesige Skulptur des Künstlers Markus Lüpertz ist vergangene Nacht zu ihrem Domizil nach Gelsenkirchen transportiert worden.

Düsseldorf. Ein bisschen wehmütig ist Kunstgießer Karl-Heinz Schmäke schon ums Herz, als er von "seinem" Herkules Abschied nehmen muss. "Aber er ist ja nicht aus der Welt."

Etwa ein Jahr hatten er und 15 Kollegen die später 18 Meter hohe und 28Tonnen schwere Skulptur des Künstlers Markus Lüpertz auf dem Gelände der Firma in Oberbilk gegossen und verschweißt. Gestern wurden die drei Einzelteile des wuchtigen Götter-Körpers aus Aluminium und Stahl auf Schwertransportern verladen und über Autobahnen nach Gelsenkirchen transportiert.

Erste schwierige Hürde beim morgendlichen Verladen von Kopf und Rumpf auf einem schweren Tieflader: "Der Herkules ist zwar massiv, aber sehr empfindlich", überrascht Projektleiter Jürgen Liethen von der Transportfirma Niesen. Aluminium sei eher weich und könne schneller auseinanderbrechen als andere Metalle. Doch der robuste Heron ist laut griechischer Sage der Kunst des Wagenlenkens mächtig - so macht er auch auf seiner ersten (und letzten) großen Fahrt über die Autobahnen46, 3 und 42 nicht schlapp.

Allerdings ist der schwere Bursche nicht so einfach aus seiner Geburtsstadt Düsseldorf wegzubekommen. Schon auf dem Amt gab es Probleme: "Kommen sie mal bei einem Schwertransport mit Zirka-Werten für eine Genehmigung zu einer Behörde. Da können sie sofort wieder nach Hause gehen", sagt Liethen.

Die Papiere wurden zwar ausgestellt, aber damit war der gigantische Kerl noch längst nicht auf dem Tieflader: "Das ist eine ganz andere Herausforderung", erklärt Dietmar Moldenhauer, der mit für die Transportsicherung und Begleitung der beiden Tieflader und des Lasters zuständig ist.

Sein größter Transport, 64 Meter lange Rohre, seien da beim Aufladen berechenbarer gewesen. Ausgerechnet mit dem silbergrauen Haarschopf findet Herkules schließlich mit der Hilfe eines Krans Halt zwischen den Stahlträgern seines 600 PS-starken Transporters - mit geradem Blick in den Himmel. Eine Kopfschlinge um die Stirn soll den Heron zusätzlich davor bewahren, den irdischen Wagenlenkern auf der Autobahn nahezutreten.

Sieben Tonnen wiegen Kopf und Rumpf, die zuerst verspannt und vorneweg die etwa 70 Kilometer entfernte Fahrt nach Gelsenkirchen antreten. Dann folgen die Beine auf einem weiteren Tieflader sowie ein Arm, die Keule und die Schilkröte auf einem Lastwagen. Begleitet wird der sagenhafte Konvoi von drei Sicherungsfahrzeugen, aber auf der Autobahn ohne Polizeischutz.

Im Kreuz Oberhausen müssen Eingriffe in den Straßenverkehr vorgenommen werden, einige Warnbaken stören bei der Fahrt durch die Kurve.

In Gelsenkirchen kommt Herkules noch in der Nacht an. Jetzt werden die drei Elemente verschweißt. Danach wird Künstler Lüpertz noch Farbe auftragen. Bis Mitte Dezember soll der Düsseldorfer Koloss als Wahrzeichen für das Revier auf einem Turm der Zeche Nordstern in 85 Meter Höhe stehen - als Symbol für Auferstehung und Zukunft.