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Henkel und Daimler: Konzern-Chefs auf Crash-Kurs

Henkel und Daimler: Konzern-Chefs auf Crash-Kurs

Affäre: Bereits seit Ende September streiten sich Daimler und Henkel um 90 Millionen Euro. Inzwischen wurden die Gerichte eingeschaltet.

Düsseldorf. Es muss ein merkwürdiges Gespräch gewesen sein, das Daimler-Chef Dieter Zetsche am 28. September mit seinem Henkel-Kollegen Kasper Rorsted führte. Denn es ging um 90 Millionen Euro, mit denen das Düsseldorfer Unternehmen in die Formel 1 einsteigen sollte. Ror-sted wusste allerdings davon nichts, weil das Geschäft am Vorstand vorbei von dem ehemaligen Henkel PR-Chef Kai von Bargen eingefädelt wurde. Obwohl gegen den 42-Jährigen inzwischen wegen Betruges ermittelt wird, möchte Mercedes auf die Finanzspritze nicht verzichten. Es liegt sogar eine Klage beim Düsseldorfer Landgericht vor.

Zu klären ist: Inwieweit war Kai von Bargen als Abteilungsleiter fürs Sponsoring berechtigt, einen Vertrag dieser Größenordnung abzuschließen. Nach Informationen dieser Zeitung wurde das Verhandlungs-Team des Formel1-Rennstalls Brawn GP, das ab kommenden Jahr unter der Mercedes-Flagge fährt, im Henkel-Kasino empfangen und bewirtet. "Vertrauensbildende Maßnahme" nennt das Johannes Mocken, Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft.

"Bei uns gilt bei Verträgen das Vier-Augen-Prinzip. Selbst wenn Herr von Bargen eine Anzeige für 1000 oder 3000 Euro in einer Zeitung schalten wollte, musste er sich das genehmigen lassen", sagt Henkel-Sprecher Lars Witteck. Es sei völlig unüblich, dass "ein Mitarbeiter aus der fünften Management-Ebene eines Dax-Konzerns ohne Einschaltung anderer Stellen alleine verhandeln und unterzeichnen konnte."

Bei Mercedes dagegen ist man offenbar sicher, dass der Vertrag juristisch wasserdicht ist. Das soll noch vor der Übernahme von Brawn überprüft worden sein. "Wir sind an einer einvernehmlichen Lösung interessiert", erklärte ein Sprecher von Mercedes Motor Sport in Stuttgart. Die Verhandlungen sollen aber vertraulich geführt werden.

Das wird allerdings nicht lange so bleiben. Denn bereits am 13. November hat Brawn GP die erste Sponsoring-Rate von Henkel gefordert. Das Unternehmen wiederum reichte vor dem Düsseldorfer Landgericht eine Klage gegen Brawn ein. Die Richter sollen feststellen, dass der Vertrag null und nichtig ist. Witteck: "Henkel ist nicht bereit, aufgrund in betrügerischer Absicht erstellter Dokumente Zahlungen für ein nicht beabsichtigtes Formel 1-Sponsoring zu übernehmen."

Wie Mocken erklärte, sei noch unklar, ob von Bargen auch in der Formel 1-Affäre mit einer Anklage rechnen muss: "Wir wissen noch nicht, inwieweit er sich einen finanziellen Vorteil verschafft hat." Allerdings gehen die Ermittler davon aus, dass er mit einer Provisions-Zahlung einer Briefkasten-Firma von Willy L. gerechnet hat (siehe Kasten).

Sportwagen-Fan von Bargen, der vor seinem Wechsel in die PR-Abteilung von Henkel Chef eines lokalen Radiosenders war, befindet sich auf freiem Fuß. Es bestehe keine Fluchtgefahr. Auch Willy L. blieb die Untersuchungshaft bisher erspart, weil er schwer erkrankt ist. Lediglich ein 47-jähriger Komplize sitzt seit Mitte November hinter Gittern.