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Heinrich-Heine-Uni Düsseldorf: So eine Prüfungswoche hat es noch nie gegeben

Hochschule : Heinrich-Heine-Uni: So eine Prüfungswoche hat es noch nie gegeben

20 statt 600 Kunden täglich im Uni-Kiosk - das Campus-Leben ruht weiterhin.

Die Regale im Uni-Kiosk sehen so aus, als wäre ein Rudel Hamsterkäufer über das Ladenlokal hergefallen. Inhaber Thomas Mittelstädt bestellt keine Waren mehr nach. Es wird ja sowieso kaum noch etwas gekauft. Der 55-Jährige hat auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität während der Corona-Schließungen die Stellung gehalten. Auf einem Camping-Kocher macht er gerade Bockwürste warm. „Für die Bauarbeiter“, erklärt Mittelstädt. Lieber würde er Schreibwaren an Studenten verkaufen. Zumal er Mitte Februar noch Collegeblöcke & Co. für 4500 Euro bestellt hat. „Bislang habe ich Schreibwaren für 15 Euro verkauft“, sagt Mittelstädt und lässt ein paar Würste ins Wasser gleiten.

Normalerweise kann sich der Selbstständige um diese Zeit des Jahres vor Kunden nicht retten. Rund 600 Studenten  kamen früher täglich, sagt Mittelstädt, dessen Kiosk es seit 1981 gibt. Derzeit seien es noch 20 bis 25 Kunden. Und dabei beginnt in dieser Woche der Prüfungsbetrieb. Ab Mittwoch schreiben einige Studenten wieder Klausuren.

Darunter die Medizinstudentin Thi My Ly. Seit dem Semesterstart im April war sie nicht mehr in der Uni. Am Freitag steht für sie eine Klausur über das Abdomen (Bauch) an. „Das ist schon ein komisches Gefühl wieder zur Uni zu gehen, aber ich freue mich, meine Kommilitonen zu sehen“, sagt die Medizinerin. Ohne den Ansporn ihrer Mitstudenten hätte sie das Online-Semester nicht so stringent durchgezogen, sagt sie. 50 Vorlesungen hat Ly online angesehen, davon vier live - das alles in drei Wochen.  „Man braucht jetzt viel Selbstdisziplin“, sagt Thi My Ly.

Zentralbibliothek darf wieder
besucht werden – für 30 Minuten

Das bestätigt auch Nora Sieverding, die über den ausgestorbenen Campus läuft. „Es ist schon etwas anderes, wenn man zur Uni geht oder wenn man morgens aufsteht und sich nur drei Meter zum Schreibtisch bewegt.“ Die 19-Jährige versucht, immer dann zu lernen, wenn sie auch Vorlesungen gehabt hätte, um eine Struktur beizubehalten. Die Psychologie-Studentin ist im zweiten Semester, hatte den Unibetrieb also gerade erst frisch kennengelernt. „Das habe ich mir schon etwas anders vorgestellt“, sagt sie angesichts des Online-Semesters. Sie bereite sich auf eine mündliche Prüfung vor. Ungünstig: „Da hat man uns vorher empfohlen, sich mit anderen zu treffen und viel über den Stoff zu reden.“ Doch zu Corona-Zeiten mussten Videochats und Sprachnachrichten genügen.

Eines der wenigen Ziele, die Studenten derzeit ansteuern können, ist die Zentralbibliothek. Mitarbeitende und Studierende dürfen seit dem 4. Mai mit Mundschutz und für maximal 30 Minuten das Gebäude betreten. Das Prinzip lautet: Buch greifen und wieder raus. Drucker, Scanner und Rechercheplätze sind abgesperrt.

Seit dem 20. April ist auch wieder die Buchhandlung Lehmanns Media geöffnet. Natürlich mit Einschränkungen. So ist zum Beispiel der Kaffeeautomat mehrfach mit Klebeband abgeklebt, fast so als würde es sich um eine besonders gefährliche Apparatur handeln. Nur zehn Kunden dürfen gleichzeitig in den Laden und werden dann durch ein Einbahnstraßensystem von der Tür zur Lektüre und von dort zur Kasse geführt. Viel los ist auch am Montag noch nicht. „Ich bin aber gespannt, wie das aussieht, wenn das Wintersemester beginnt und immer noch nur zehn Leute in den Laden dürfen“, blickt Teamleiterin Carina Frey in die ungewisse Zukunft.

Alle bislang ausgefallenen Prüfungen werden zwischen dem 13. und dem 30. Mai in den Hörsälen der Uni mit Abstand und fest vorgeschriebenen Laufwegen nachgeholt. Dabei verteilen sich einzelne Klausuren durch den erhöhten Platzbedarf auf mehrere Säle.