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Heine-Uni: Professoren verzögern Studium

Heine-Uni: Professoren verzögern Studium

Studenten warten monatelang auf die Rückgabe ihrer Hausarbeiten. Die Gebühren sollen sie aber trotzdem zahlen.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Björn Ernst ist ein Musterstudent. Nach dem Abitur hat er zunächst eine kaufmännische Ausbildung absolviert und im Anschluss daran sein Magisterstudium aufgenommen. Theoretisch könnte er es in den nächsten Monaten abschließen. Bisher lief alles glatt, seine letzten beiden Hauptseminararbeiten hat der Student mit den Noten 1 und 1,3 abgeschlossen. Nur das Ergebnis seines Hauptfaches, Allgemeine Sprachwissenschaft, steht noch aus. Und genau darin liegt das Problem. Denn der 30-Jährige wartet bereits seit zehn Monaten auf die Rückgabe seiner Arbeit.

Weil ihm dieser Leistungsnachweis fehlt, konnte er sich bisher nicht zur Abschlussprüfung anmelden - und muss Studiengebühren zahlen. "Dabei habe ich im vergangenen Semester überhaupt keine Studienleistungen in Anspruch genommen", ärgert sich Ernst. "Ich bin ja mit allem fertig."

Seine Hausarbeit hat er im August 2006 bei Sebastian Löbner abgegeben - und noch immer nicht zurück. An den Professor hat er zwei Mails geschickt, die letzte im März. "Er hat mich um mehr Geduld gebeten", sagt Ernst. "Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört."

Deswegen hat Ernst am 25. Mai an Rektor Alfons Labisch geschrieben und diesem seinen Fall dezidiert geschildert. Aber auch aus dem Rektorat sei man ihm bis heute eine Antwort schuldig geblieben.

Beide Studenten haben feste Jobs, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. "Ich arbeite 20 Stunden pro Woche und habe das Gefühl, ich schmeiße das Geld zum Fenster heraus", sagt die Studentin. Denn auch sie hat alle notwendigen Leistungsnachweise mit Bravour erbracht und muss keine Uni-Veranstaltungen mehr besuchen.

Da tröstet es nur wenig, wenn der Professor Verständnis für ihre Empörung zeigt. Gegenüber der WZ erklärte Sebastian Löbner: "Ich bin mit einigen Hausarbeiten in Verzug." In den vergangenen Monaten und Jahren habe er immer wieder mit einer "Mehrbelastung" zu kämpfen gehabt. "Aber ich werde in den nächsten Tagen die liegen gebliebenen Hausarbeiten korrigieren", verspricht der Hochschullehrer.

Lange Wartezeiten gibt es nicht nur im Fach Allgemeine Sprachwissenschaft. Auch in der Germanistik müssen Studenten teilweise monatelang auf die Ergebnisse ihre schriftlichen Arbeiten warten. Mit diesem Problem hat sich bereits ein neues Prüfungsgremium befasst, das eigens dazu eingerichtet wurde, die Qualität der Lehre zu kontrollieren. Es unterstützt Studenten, die mangels adäquater Angebote ihre Gebühren zurückfordern.

Magisterprüfungsordnung "Im Hauptstudium werden in jedem Hauptfach zwei Leistungsnachweise, in jedem Nebenfach wird ein Leistungsnachweis erworben. Die Bewertung von Leistungsnachweisen ist den Studierenden nach spätestens sechs Wochen mitzuteilen", heißt es in der Verordnung.