Heine-Preis: Das Rathaus und die Kern-Frage

Heine-Preis: Das Rathaus und die Kern-Frage

Neuer Eklat um den Kulturpreis: Die CDU will Peter Kern nicht in der Jury.

Düsseldorf. Über Geschmack lässt sich nicht streiten? Von wegen. Die Kulturpolitiker im Rathaus demonstrieren derzeit das Gegenteil. Sie streiten über die Besetzung der Jury des Heinrich-Heine-Preises — ein weiterer Eklat nach 2006, als es Zoff gab um die geplante Preisvergabe an Peter Handke, dem viele seine Haltung zu Serbien übel genommen hatten. Seither wird auf die Frage der Jury-Besetzung besonderer Wert gelegt.

Dennoch wurde im Stadtrat vorige Woche auf Betreiben von CDU und FDP beschlossen, dass auch die Freien Wähler ein Jurymitglied entsenden sollen. SPD, Grüne und Linke hatten zuvor laut darüber nachgedacht, ob man dies nicht besser verhindern sollte.

Hintergrund: Die Freien Wähler haben Fraktionsstatus, seit der Republikaner Jürgen Krüger übergewechselt ist. Geschäftsführer Torsten Lemmer ist Ex-Neonazi, geläutert seit einem bundesweit beachteten Theaterprojekt der Regisseure Peter Kern und Christoph Schlingensief.

Nun kündigten die Freien Wähler an, Lemmer in die Heine-Preis-Jury zu entsenden — und ernteten prompt Widerspruch von allen Seiten, auch CDU und FDP sprachen sich gegen ihn aus. Lemmer kontaktierte darauf Peter Kern, der sich bereit erklärte, stattdessen in die Jury zu gehen.

Doch auch das passt vielen nicht. CDU-Fraktionschef Friedrich Conzen empfindet Kern als „zu extrem“. FDP-Kollege Manfred Neuenhaus meint: „Der Heine-Preis ist zu einem Literaturpreis geworden. Was der Theatermann Kern da zu suchen hat, ist die Kern-Frage.“ OB Dirk Elbers soll gar gedroht haben, an den Jury-Sitzungen nicht teilzunehmen, wenn Kern dabei ist. Offiziell sagte er nur: „Wir warten den Vorschlag der Freien Wähler ab und werden danach entscheiden.“

Noch im Mai soll der Stadtrat beschließen. Conzen droht offen damit, die Satzung so zu ändern, dass die Freien Wähler kein Vorschlagsrecht haben. Das erbost wiederum Peter Kern (63), der dafür bekannt ist, gern zu provozieren. „Das ist eine Entwürdigung meiner Person“, wettert er. Er wolle in die Jury, „weil das ein ehrenwerter Preis ist“. Werde ihm das verwehrt, werde die Angelegenheit „bundesweit Staub aufwirbeln“. CDU und FDP beeindruckt das nicht. „Die Freien Wähler versuchen, den Preis lächerlich zu machen. Das werden wir verhindern“, sagt Neuenhaus.

Die Opposition hält sich derweil zurück. „Das ist nicht unser Problem“, meint Claudia Mohrs (SPD). Und Clara Deilmann (Grüne) findet: „Wenn die Union den Freien Wählern das Vorschlagsrecht einräumt, muss sie auch mit Peter Kern leben.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung