Heiligabend in Düsseldorf nicht alleine bleiben

Ehrenamt : Heiligabend nicht alleine bleiben

In der Rheinterrasse können alleinstehende Menschen Weihnachten Gemeinschaft finden. Die Organisatoren stehen jedes Jahr vor einer Mammutaufgabe.

Wer an Heiligabend alleine zu Hause sitzt und dabei wohlmöglich in Nachbarhäusern Menschen sieht, die gemeinsam Weihnachten feiert, der fühlt sich einsam. Der CVJM und der BDKJ richten am 24. Dezember Weihnachtsfeiern für alleinstehende Frauen und Männer aus, damit auch sie gemeinsam mit anderen Menschen Heiligabend verbringen können.

Die Pforten der Rheinterrasse öffnen sich zunächst am frühen Nachmittag für Frauen, ab 17 Uhr sind Männer eingeladen, zusammen zu feiern. „Die Trennung ist traditionell bedingt“, sagt Ralf Wittig, Leitender Sekretär des CVJM. Der Christliche Verein Junger Menschen in Düsseldorf bietet seit 92 Jahren die Weihnachtsfeier für Männer an. Der BDKJ ist erst seit den sechziger Jahren in dem Bereich aktiv und erwartet an Heiligabend etwa 300 Frauen, zum Teil auch mit Kindern. Der Verein veranstaltet seit dem vergangenen Jahr seine Weihnachtsfeier im Rheingoldsaal der Rheinterrassen. „An diesem Standort können wir von der Erfahrung des CVJM profitieren“, sagt Tim Noetzel, Jugendbildungsreferent beim BDKJ. Zuvor fand die Feier für die Frauen an der Messe statt.

„Wir wollen zeigen, dass Alleinsein an Heiligabend nicht wehtun muss“, sagt Ralf Wittig. Im Radschlägersaal treffen sich jedes Jahr 600 Männer, die ein paar Stunden zusammensitzen und beim gemeinsamen Essen in Kontakt kommen. Bedient werden sie von 150 Helfern, die im Begrüßungsteam, im Küchenteam, im Programmteam oder an den Tischen als Gastgeber eingesetzt werden. „Jeder Gastgeber ist für neun Gäste zuständig“, sagt Wittig. Daraus entstünden manchmal Verbindungen, die jedes Jahr erneuert würden. „Die Gastgeber suchen sich häufig die Tische aus dem Vorjahr aus und die Gäste steuern gezielt auf ‚ihren‘ Tisch zu“, sagt Wittig.

Aus manchen Gästen wird auch ein Gastgeber, so wie aus Rolf-Dieter Hillen. Der 69-jährige war vor zwanzig Jahren zum ersten Mal bei der Weihnachtsfeier des CVJM, danach kam er als Helfer. Im Begrüßungsteam achtet er darauf, dass niemand reinkommt, der Alkohol getrunken hat. 2018 saß er wegen einer Beinoperation im Rollstuhl und konnte nicht helfen. Damals nahm er sich vor, in diesem Jahr seinen „Job“ wieder machen zu können. „Das hält mich hoch, an Heiligabend wieder als Helfer dabei sein zu können“, sagt Hillen. Das mache ihm Freude.

Die Abläufe müssen an Heiligabend sitzen. Alle 600 Gäste sollen gleichzeitig ihr Weihnachtsessen, bestehend aus Rindergeschnetzeltem, Klößen und Rotkohl, serviert bekommen. Für die weihnachtliche Stimmung sorgt das Programmteam unter anderem mit einem Theaterstück und Weihnachtsliedern.

Tim Noetzel hat die Veranstaltung für alleinstehende Frauen im vergangenen Jahr zum ersten Mal erlebt. „Es ist eine sehr emotionale Veranstaltung für die Helfer und die Gäste. Als eine Dame ein selbstgeschriebenes Gedicht vorgetragen hat, hatten mehrere Menschen Tränen in den Augen“, sagt er.

Neben dem Programm gebe es auch immer wieder Pausen, damit die Menschen miteinander ins Gespräch kommen. „Diese Menschen sind meist nicht nur zu Weihnachten alleine“, sagt er. Das Publikum habe sich in den vergangenen Jahren verändert. „Früher kamen eher die Witwen oder verlassene Frauen. Heute sind es häufig auch Alleinerziehende“, sagt Noetzel. Für ihre Kinder organisiert der BDKJ während der Feier eine Kinderbetreuung.

Neben einem Weihnachtsessen erhalten alle Gäste eine Weihnachtstüte mit Plätzchen und Dingen des täglichen Bedarfs als Geschenk. Gepackt wurden die Tüten in neun Schulen aus Düsseldorf, Meerbusch und Hilden sowie von Mitarbeiter der Provinzial.

Für die beiden Veranstaltungen, die ausschließlich aus Spenden finanziert werden, benötigen der BDKJ und der CVJM aber noch Unterstützung. „Wenn jemand Stollen spenden würde, wären wir sehr dankbar“, sagt Wittig.

Obwohl sich sehr viele Menschen melden, sind sowohl der CVJM als auch der BDKJ noch auf der Suche nach Helfern. „Der Bedarf ist jedes Jahr groß. Niemand möchte Weihnachten alleine sein“, sagt Ralf Wittig. Die Gemeinschaft sei ein Riesengeschenk für alle, auch für die Helfer. „Die Dankbarkeit kommt sofort zurück. Das ist so bereichernd, dass man sagt: Das will ich wieder machen.“